Wie befürchtet, drängen Banken ihre Kunden jetzt vom Schweizer Franken, Yen oder anderen Währungen in den Euro. Für die Kunden bedeutet das hohe Zusatz- und Wechselkosten. Doch wie bringt man Kreditnehmer zum Wechsel, obwohl das vertraglich gar nicht möglich ist? Ein Blick in die Trickkiste der Banken, und was man dagegen tun kann.
Vorab: Natürlich birgt ein Fremdwährungskredit Risiken in sich. Auf diese wurden Sie bei Abschluss hoffentlich aufmerksam gemacht. Bei ungünstiger Entwicklung von Fremdwährungskurs, Zins bzw. Tilgungsträger sollten Sie rechtzeitig handeln, was eine aktive Überwachung Ihres Kredits voraussetzt. Wenn Sie das nicht selbst tun wollen oder können, empfiehlt sich eine kompetente, von Banken unabhängige Kreditbegleitung durch Steuerberater oder Finanzexperten. Dieser Artikel soll Ihnen nicht raten, in der Fremdwährung zu bleiben. Vielmehr soll er die Tricks aufzeigen, mit denen Banken jetzt ihre Kunden in den Euro bringen wollen, und was Sie gegen einen unfreiwilligen Wechsel tun können. Bedenken Sie: Durch den unrechtmäßigen Zwangstausch in Euro könnte die Bank Ihnen gegenüber schadenersatzpflichtig werden – wenn Sie es beweisen können.
Methoden, Kunden zum Tausch in Euro zu bringen, und Gegenmittel
Verteuerung der Nebenkosten. Überall zu beobachten: Banken kassieren saftige Nebenkosten, weil “sich die Refinanzierungskosten verteuert haben” – der Kredit wird damit bis zu 2% pro Jahr teurer und plötzlich – so ein Zufall – gleich teuer wie der Euro-Kredit. Das ist in den meisten Fällen nicht vom Kreditvertrag gedeckt. Gegenmittel: Gesprächsnotizen machen, alles schriftlich verlangen, nichts unterschreiben, schriftlich mit eingeschriebenem Brief widersprechen bzw. weitere Schritte vorbehalten, Ombudsstellen und Interessensvertretungen aufsuchen, Zeit gewinnen, evtl. bankrechtlich versierten Anwalt einschalten.
Verlangen nach mehr Sicherheiten. Das ist eine ganz üble Methode, denn Banken verlangen schon zur Fremdwährungskredit-Einräumung überdurchschnittlich hohe Sicherheiten. So wird z.B. ein wesentlich höherer Betrag als Hypothek auf Ihrer Liegenschaft eingetragen (bis zu 40% mehr als der Kreditbetrag!), mit der Begründung des höheren Risikos bei Fremdwährern. Tilgungsträger werden abgetreten bzw. verpfändet, und für alles haften Sie, Mitkreditnehmer und Bürgen persönlich mit Ihrem gesamten Vermögen. Die Bank weiß, dass Sie in der Regel keine Sicherheiten mehr anzubieten haben, und nützt dies jetzt aus, um ein Argument für eine zwangsweise Konvertierung zu haben. Das ist nicht gerechtfertigt. Wird das Verlangen nach mehr Sicherheit mit einer vertraglichen Klausel in Verbindung gebracht, lassen Sie das prüfen! Meist darf die Bank nur dann mehr Sicherheiten verlangen, wenn sich Ihre individuelle, persönliche Lage verschlechtert hat – und das ist keine Pauschalerlaubnis. Meiner Meinung nach wäre eine durch die Änderung des Finanzmarktes begründete Sicherheitenverstärkung sogar sittenwidrig. Gegenmittel: Gesprächsnotizen machen, zwecks Nachvollziehbarkeit mit e-mail kommunizieren (bzw. Gesprächsinhalt bestätigen lassen), sofort Interessensvertretung (z.b. Arbeiterkammer) aufsuchen, Anwalt einschalten, Zeit gewinnen, nichts unterschreiben, ohne es durch einen unabhängigen Experten prüfen zu lassen. Bei Zwangskonvertierung schriftlich widersprechen (eingeschrieben).
Begründung einer Zwangskonvertierung mit dem schlechten Fremdwährungskurs. Ebenfalls eine verwerfliche Methode, Kunden in den Euro zu bringen: Kreditverträge enthalten meist eine Klausel, die der Bank eine einseitige, also eine Zwangskonvertierung erlaubt, wenn sich der Fremdwährungskurs mehr als XY % verschlechtert hat. Das kommt den Banken jetzt sehr gelegen: JPY und CHF wurden in den letzten Monaten teurer, was sich zu Lasten der Kunden ausgewirkt hat. Doch rechtfertigt das einen Umstieg zum ungünstigsten Zeitpunkt? Was ist, wenn ein Kunde vorher 30% Kursgewinn gemacht hat, und jetzt von diesem Gewinn 10% wieder verloren hat? Rechtfertigt das einen Zwangstausch? Meiner Meinung nach nicht. Dennoch wird es hier schwerer sein, sich zu wehren – rein vertraglich gesehen wäre ein Zwangstausch korrekt. Gegenmittel: Nachdem es vielen Kunden so geht wie Ihnen, können Sie über Ihre Interessensvertretung öffentlichen Druck ausüben, den Zwangsumstieg von einem Anwalt prüfen lassen, um Aufschub dieser Maßnahme ersuchen, schriftlich protestieren, mit E-Mail kommunizieren, um die Konversation beweisbar zu machen, nichts unterschreiben und Beweise sammeln.
Psychologischer Druck und Unterschriftseinholung: Wie üblich, holt man sich für alles die Kundenunterschrift, um diese dann einem Richter unter die Nase halten zu können: “Schau her, der Kunde wollte das ja so, wurde informiert, …!” Also wird man Sie auch mit psychologischem Druck zu einem “von Ihnen entschiedenen” Wechsel bringen wollen. Die Tricks reichen vom Angstmachen (Kurse haben sich verschlechtert, Zinsen werden steigen, Tilgungsträger sind schlecht, und überhaupt fällt uns vielleich sogar der Himmel auf den Kopf, …) bis zur angedrohten Fälligstellung des gesamten Kreditbetrages, wenn Sie nicht wechseln wollen. Da geht einem schnell die Luft aus, denn auch mit Umschuldungen schaut es derzeit traurig aus: Keine Bank macht mehr Fremdwährungskredite, auch Euro-Kredite werden nur noch unter sichtlichen körperlichen Schmerzen vergeben, also wohin wollen Sie wechseln? Banken wissen das, und nützen es aus. Gegenmittel: Anwalt mit Bankerfahrung zum Banktermin mitnehmen (das Geld ist gut investiert!), Beweise sammeln, nichts unterschreiben, Gespräche protokollieren und per E-Mail kommunizieren, Zeit gewinnen, evtl. an die Öffentlichkeit bringen, Kunden finden, denen es gleich ergeht etc.
Überhaupt empfiehlt es sich in einer solchen Situation, so viele Beweise wie möglich zu sammeln. Sollte es irgendwann zu einem gerichtlichen Verfahren kommen, zählt nur, was Sie schwarz auf weiß haben: E-Mails, Gesprächsprotokolle, Verträge, Briefe und so weiter. Bei allem Konfliktpotential und möglichen Streitpunkten sei aber auch eines gesagt: Es besteht immer die Möglichkeit eines Vergleichs bzw. einer Teilung der Kosten für einen Wechsel in den Euro. Nachdem ich die Wahrscheinlichkeit dafür aber nicht allzu hoch einschätze, sollten Sie derzeit Beweise sammeln wie ein Eichhörnchen seine Nüsse. Bedenken Sie: Es geht sehr, sehr vielen KundInnen so wie Ihnen. Ich rate zum “Zeit gewinnen”, weil Sie nicht unter den ersten KundInnen sein sollten, die mit den oben beschriebenen Maßnahmen zum Tausch gebracht werden – vielleicht mäßigen Banken sehr bald ihren Druck, wenn sie mit Klagsdrohungen und öffentlichem Druck konfrontiert werden, und dann brauchen Sie sich nicht herumzuärgern. Es wird Musterprozesse und Sammelklagen gegen Zwangskonvertierungen geben. Ihre Chancen auf Schadenersatz steigen, wenn Sie nachweisen können, wie “das mit dem Tausch in Euro” gelaufen ist. Alles Gute!


Toller Artikel, du leistest hier wertvolle Aufklärungsarbeit, die Kosten bzw. die Spesen werden zu oft am Endkunden abgewälzt. Der aktuell sehr nervöse Markt bietet eine gute Angriffsfläche um die Kreditnehmer zum übereilten Konvertieren zu bewegen.
Danke für die regelmäßigen Tipps und ich hoffe es kommt zu einer Sammelklage,gegen die Zwangskonvertierung,denn es betrifft wirklich sehr viele Menschen.
Als einzelne Person hat man ja wirklich nicht viele Chancen,ausser man ist gut versichert,das man sich den Rechtstreit leisten kann und das weiß auch die Bank.