Auswandern und Geld: Es gibt vieles zu beachten!

Ins Ausland auswandern, alles hinter sich lassen, nochmal von Vorne beginnen: Wer träumt nicht zumindest hin und wieder davon? Wir werden von angenehmen klimatischen Bedingungen, günstigen Lebenshaltungskosten oder einer lockeren Mentalität gelockt. Doch bevor man sich in das Abentuer wagen kann, gilt es einiges zu beachten. Vor allem, was Geld, bestehende Kredite und Bankverbindungen betrifft.

Beginnen wir mit den bestehenden . Vielleicht haben Sie vor wenigen Jahren eine Wohnung gekauft, ein Auto geleast oder einen Konsumkredit aufgenommen. Sie sollten sich möglichst frühzeitig im Klaren sein, was damit passiert. Die Wohnung verkaufen und den Kredit tilgen, oder besser vermieten und den Kredit aus der einlangenden bezahlen? Bei Tilgung: Müssen Sie eventuell mit Vorfälligkeitsgebühren für die verfrühte Kreditrückführung rechnen? Noch wichtiger: Was ist für Sie aus dem Ausland mach- und kontrollierbar? Wer könnte Sie vertreten? Welche Kredite bestehen sonst noch, und wie wollen Sie diese zurückführen?

Sie müssen der Bescheid sagen. Einfach so zu verschwinden, kann einen Verstoß gegen die Kreditnebenbedingungen bedeuten: Sie verpflichten sich gem. dem Kleingedruckten des Kreditvertrags, die über “Änderungen in den persönlichen Lebensumständen” unverzüglich zu informieren. Das sind z.B. Verlust des Arbeitsplatzes, Umzug oder eben auch die . Kommt die drauf, dass Sie heimlich, still und leise die Mücke gemacht haben, bedeutet das nicht selten kurzen Prozess, vor allem, wenn Sie nicht oder nicht leicht erreichbar sind. Die ist dazu berechtigt, Kredite zu kündigen, fälligzustellen und Sicherheiten zu verwerten! Gibt es dann Bürgen, werden sie sich schön bei Ihnen bedanken.

Die Sicherheiten, ein weiteres wichtiges Stichwort. Was ist zugunsten der verpfändet? Schnell ist es vergessen, dass das für die gedachte Sparbuch oder Wertpapierdepot zugunsten eines eigenen oder fremden Kredites verpfändet wurde. Deshalb ist es wichtig, die möglichst mehrere Monate vor dem Auswanderungstermin vom Vorhaben in Kenntnis zu setzen und mit ihr gemeinsam einen kostengünstigen und sinnvollen Ausweg aus bestehenden zu suchen. Auch der Verkauf einer Wohnung benötigt viel Zeit – je eher Sie damit beginnen, desto besser!

Dann werden Sie vermutlich auch Geld für die selbst benötigen. Ich wundere mich immer, wenn ich in “Mein neues Leben” Familien sehe, die den Absprung mit 5-10.000 Euro wagen. Ohne Reserve für 2-3 Monate sollten Sie sich besser gar nicht ins Flugzeug setzen. Die finanziellen Mittel werden meistens aus Erspartem oder Zuschüssen der Eltern bestehen, nur selten aus Bankkrediten – wer soll auch für diese gerade stehen, wenn Sie im Ausland sind? Solche Kredite sind generell unüblich. Was Sie nicht selbst gespart haben oder von Bekannten und Verwandten geliehen bekommen, bekommen Sie von keiner !

Alte Bankkonten: Die Führung eines Bankkontos ist mit einer gültigen Wohnadresse verknüpft. Es spricht nichts dagegen, sein altes so lange zu behalten, bis man in der neuen Heimat Fuß gefasst hat. Doch man sollte der ebenfalls frühzeitig Bescheid geben und ihr die neue Adresse nennen. Mit Maestro-Card (weltweite Bankomatfunktion) und Kreditkarten wie MasterCard und VISA können Sie in allen Ländern der Welt Bargeld beheben und Zahlungen tätigen, auch wenn diese noch auf Ihr altes Konto laufen. Über Online-Banking können Sie Kontostand kontrollieren und Überweisungen tätigen – überall dort, wo Sie (sicher) ins Internet kommen. Passen Sie aber auf: Schnell ist das Konto überzogen, und die Karten werden gesperrt. Da wird es im Ausland schwer, sich mit der alten zu einigen. Das alte Konto bleibt also eine Zwischenlösung. Wie man ein Konto löscht und zu einer anderen verlegt, habe ich bereits in diesem Artikel beschrieben. Auch wenn Sie noch so vorsichtig sind: zu 99% gibt es mit der Kontenverlegung Probleme – wenn Sie ein Konto in der neuen Heimat haben, lassen Sie das alte noch für 1-2 Monate bestehen, um Mahnungen und rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, von denen Sie im Ausland nichts mitbekommen! Denken Sie nicht “Mir ist das egal, ich bin ja schließlich im Ausland” – man sollte sich den Rückweg offenhalten, und zu Besuch kommen Sie vermutlich auch. Eröffnen Sie auch einen -Nachsendeauftrag – entweder ins Ausland oder zu einer Vertrauensperson – um wichtige Schriftstücke nicht zu verpassen. Ein Mensch Ihres Vertrauens sollte auch bevollmächtigt werden, persönliche Dinge für Sie zu regeln – Ihr Anwalt weiß mehr darüber.

Neue Kredite im Ausland: Sie müssen damit rechnen, dass sich Genehmigungsvoraussetzungen und verlangte Sicherheiten sowohl in Höhe als auch Rechtsgültigkeit deutlich unterscheiden. War es noch z.B. in den USA vor 2-3 Jahren noch einfach, als Auswanderer einen Auto- oder Immobilienkredit zu bekommen, so hat die Finanzkrise hier deutliche Spuren hinterlassen – Kredit zu bekommen ist weltweit schwierig geworden und mit Fallstricken verbunden, die das “Abenteuer Ausland” schnell zum Albtraum machen können. Holen Sie sich kompetente Beratung von Landsleuten, die schon länger vor Ort sind, sowie einen kompetenten Rechtsbeistand. Wie in Deutschland und Österreich gilt auch im Rest der Welt: Ohne regelmäßiges, gesichertes Einkommen und entsprechende Sicherheiten kein Kredit. Fast ausgeschlossen ist es, dass eine Ihres Herkunftslandes ein Vorhaben in der neuen Heimat finanziert – Sie werden sich mit neuen, möglicherweise nicht der deutschen Sprache mächtigen Bankern auseinandersetzen müssen.

Und tun Sie mir bitte einen Gefallen: Verkaufen Sie keine Deutschen Bratwürste – wer sinnvoll auswandern will, sollte sich fremden Kulturen öffnen und sich mit Kreativität eine Existenz aufbauen, die die Bezeichnung “Mein NEUES Leben” auch tatsächlich verdient!

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Ein Kommentar
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  1. Für deutsche Auswanderer empfiehlt sich auf jeden Fall ausserdem einen Onlinezugang zu “Meine Schufa” einzurichten. Damit hat der Auswanderer dann auch aus seiner neuen Heimat die Möglichkeit sein deutsches Kreditrating zu überprüfen – und falls er irgendwelche offenen Rechnungen vergessen hat bleibt das nicht endlos verborgen. Mehr Infos dazu unter http://www.auswandern.de

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