Banken haben es derzeit nicht leicht. Vorbei sind die Zeiten, in denen Milch und Honig in Bächen flossen. Den eisigen Winter der Finanzkrise im Gesicht, sucht die Finanzbranche nach Auswegen aus der derzeitigen Situation. Wogegen muß sie dabei ankämpfen?
Zum einen ist der Wettbewerb unter den Banken sehr stark gewachsen. Dichte Filialnetze und sich ansiedelnde ausländische Finanzkonzerne sorgen für mehr Auswahl denn je. Mit Kampfkonditionen wird versucht, die hehren Ansprüche so mancher Bankstrategie zu erfüllen. Doch der Markt ist großteils gesättigt, womit das wettbewerbsbedingte Scheitern so mancher auf den Markt drängender Finanzinstitute vorprogrammiert zu sein scheint.
Globalisierung und Vernetzung wie auch die digitale Revolution tragen dazu bei, daß der Bankkunde von heute aufgeklärt ist und Preise leicht vergleichen kann. Sogar diese Arbeit wird ihm von so mancher Internetplattform abgenommen. “Dem Kunden ein X für ein U vormachen” – das spielt es heute nicht mehr.
Auch der von Banken so ungeliebte, aber scheinbar doch einträgliche Zahlungsverkehr ist hart umkämpft. Anbieter wie Paypal drängen auf den Markt und graben den Banken das Wasser ab. Es ist zu erwarten, daß der Zahlungsverkehr der Zukunft wesentlich einfacher und nicht unbedingt über eine Bank erfolgen wird. Es ist ein Anachronismus, daß Banküberweisungen heute noch mehrere Tage dauern, wobei sich die Bank einen Tag als Valutatag einstreicht und für die Überweisung an sich überzogene Gebühren kassiert. Ein Monopol gibt es nicht – weder gesetzlich noch faktisch – somit dürfen wir mit Spannung erwarten, welche neuen Zahlungsverkehrsanbieter auf den Markt drängen.
Auch bei den Krediten findet man immer mehr Alternativen außerhalb der Bank. Die Kreditplattform “Smava” vermittelt zwischen Menschen, die Kredite brauchen und solchen, die Geld zur Verfügung stellen wollen. Das funktioniert problemlos und umgeht die Finanzinstitute. Als Kreditwerber wird man als Mensch behandelt und kann sein Projekt oder seinen Wunsch nach objektiver Prüfung online stellen. Vielen Menschen wird das lieber sein als das klassische Bank-Kreditgespräch.
Auch bei der Vermögensverwaltung und Anlage sehen Banken schweren Zeiten entgegen. Die Finanzkrise hat beträchtliche Vermögen von Bankkunden vernichtet, welche zunehmend gebührenempfindlich werden und die Sinnhaftigkeit von Ausgabeaufschlägen und Depotgebühren hinterfragen. Auch die Konkurrenz trägt dazu bei, daß die Verdienstspannen im Anlagegeschäft merklich zurückgehen. Weiters ist die Frage, wie viele Kunden von den herben Verlusten vergrault worden sind und nie mehr den Weg zurück zur Vermögensanlage finden werden.
Hinsichtlich der Großkredite drängen Venture Capital und Private Equity Firmen auf den Markt. Diese werden mehr und mehr zur Alternative zum klassischen Bank-Großkredit. Kapitalgeber mit an Bord zu holen, bringt auch bilanzielle Vorteile.
All diese Umstände müßten Bankmanager eigentlich wachrütteln und zum Gegensteuern veranlassen. Der derzeit zu beobachtende Trend, staatliche Unterstützungen einzustreichen und die Igelposition einzunehmen, wird nicht zum Ziel führen.

