Devisen-Kurzanalyse US-Dollar – Geldentwertung vs. Japan-Syndrom
Währungsprognosen sind aufgrund der Dominanz politischer und psychologischer Faktoren an den Devisenmärkten die schwierige Königsdisziplin aller Finanzmarktprognosen. So sprachen beispielsweise in den 90er-Jahren die Fundamentaldaten und das niedrige Zinsniveau eindeutig für einen schwachen Yen, doch genau das Gegenteil geschah, da die Japaner aufgrund der Krise im eigenen Land zunehmend Auslandsgelder repatriierten.
Doch es gibt eine handvoll nützlicher Orientierungshilfen: Brauchbare Hilfestellungen leisteten in der Vergangenheit des Öfteren eine Betrachtung der Zinsdifferenzen an den Geld und Kapitalmärkten und vor allem eine charttechnische Analyse. Im Interesse einer objektiven Gesamtbetrachtung beginnen wir mit dem makroökonomischen Umfeld:
Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen
Aus fundamentaler Sicht müssten bei Dollarguthaben die Alarmglocken läuten:
Nachdem der US-Leitzins, die Fed Fund Rate, für längere Zeit (auf jeden Fall für 2009) auf dem „Nullzinskorridor“ zwischen 0,00 und 0,25 Prozent festgefroren ist, hat das Quantitative Easing der Fed eine neue Dimension erreicht. Der Zinshebel wird nun bei der Umlaufrendite langlaufender Staatsanleihen (Treasuries) und den MBS angesetzt. Um die Kurse dieser Papiere nach oben zu treiben und somit die Renditen zu drücken ist in den kommenden sechs Monaten der Kauf von langlaufenden Treasuries im Volumen von 300 Milliarden Dollar geplant, während zum Kauf von Hypothekenanleihen nun insgesamt 1,25 Billionen US-Dollar zur Verfügung stehen. Niedrigere Umlaufrenditen führen in zahlreichen Kreditsegmenten automatisch zu einer geringeren Zinsbelastung. Das letzte Mal als die Fed ähnliche Steuerungsmaßnahmen ergriff war in den 60er-Jahren unter der Administration Kennedys die „Operation Twist“.
Zinsdifferenzen
Kritisch gegenüber dem Quantitative Easing äußerte sich hingegen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, dessen jüngster Zinsschritt am 2. April (Senkung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent) unter den Erwartungen der Marktteilnehmer lag. Diese Unterschiede zwischen der Geldpolitik der Fed und jener EZB führen in der Eurozone im Vergleich zu den USA zu höheren Umlaufrenditen bei Staatsanleihen. So stehen einer Umlaufrendite von zehnjährigen US-Treasuries in Höhe von 2,79 Prozent 3,19 Prozent bei vergleichbaren deutschen Bundesanleihen gegenüber – und dies trotz einer voraussichtlichen Belastung des US-Staatshaushaltes in der Größenordnung von 12,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Charttechnik
Charttechnisch betrachtet hat sich im 3-Jahres-Chart von EUR/USD eine klare W-Formation ausgeprägt, die als äußerst zuverlässige Trendwendeformation gilt:
http://waehrungen.onvista.de/snapshot.html?ID_CURRENCY_FROM=EUR&ID_CURRENCY_TO=USD&PERIOD=5#chart1
Die Ausprägung des Doppeltiefs lässt sich sehr gut am 6-Monats-Chart erkennen, der allerdings auch eine höhere Volatilität (Schwankungsbreite) zeigt:
http://waehrungen.onvista.de/snapshot.html?ID_CURRENCY_FROM=EUR&ID_CURRENCY_TO=USD&PERIOD=3#chart1
Japan-Syndrom spricht hingegen für steigenden Dollar
In der Japan-Krise sprachen sämtliche volkswirtschaftlichen Parameter für eine Yen-Abwertung. Doch das Gegenteil geschah, da infolge der Krise zunehmend mehr Geld wieder zurück ins Zentrum floss. In Krisenphasen neigen Anleger der großen Wirtschaftsnationen zu einer Repatriierung von Auslandsgeldern, die dann de facto „mündelsicher“ im eigenen Land veranlagt werden. Unter diesem Aspekt könnte im Verlauf der Krise auch der US-Dollar wieder fester werden – Ein marktpsychologisches Paradoxon das oft nur wenig Beachtung findet.
