Die EZB lässt die Leitzinsen unverändert bei 4,0%
Wie die FTD gestern berichtet hat, belässt die EZB (die Europäische Zentralbank) die Leitzinsen unverändert bei 4,0%:
Wegen des kräftigen Wirtschaftsaufschwungs und der damit verbundenen Inflationsgefahren waren weitere Erhöhungen erwartet worden. Inzwischen gilt unter Volkswirten aber als offen, ob die Notenbank bis Jahresende die Zinsen noch anheben wird.
Mit diesem Schritt stemmt sich die EZB gegen die Gefahren am Finanzmarkt.
“Die jüngsten Entwicklungen haben gravierende Mängel in den weltweiten Kreditmärkten offengelegt”, sagte OECD-Chefökonom Jean-Philippe Cotis. Eine Rezession in den USA sei nicht auszuschließen.
Ob weitere Erhöhungen in diesem Jahr folgen, lies die EZB offen. In den letzten Jahren hat die US-Notenbank FED die amerikanischen Leitzinsen agressiv von 1,0% im Juni 2003 auf zuletzt 5,25% erhöht. Dies tat sie, um Inflationsgefahren aufgrund der starken Konjunktur vorzubeugen.
Ich halte weitere Zinserhöhungen vor dem angespannten Hintergrund für nicht wahrscheinlich. Die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten wurde durch etliche Notenbanken-Interventionen gedämpft, wir bewegen uns jedoch nach wie vor in unsicheren Gewässern. Seit Jahren wird weltweit vor ungünstigen Faktoren, u.a. einer strukturellen Schwäche der US-Handelsbilanz, der Hypothekenkrise und Marktungleichgewichten am Devisenmarkt gewarnt. Sitzt man auf einem Pulverfass, genügt ein kleiner Funke, um eine Explosion auszulösen. Ob Notenbanken mit ihren Interventionsmöglichkeiten das Ruder in der Hand behalten, bleibt abzuwarten. Die Psychologie des Marktes ist meines Erachtens nicht dauerhaft beeinflussbar. Der jüngste Schwenk der EZB auf Kurs anderer Notenbanken könnte daher eine globale Trendwende der Zinsenpolitik einleiten.

Mittlerweile scheint die Entwicklung diesem Beitrag recht zu geben. Die weitere Zinsentwicklung im Euroraum darf gespannt verfolgt werden!