Globale Weltwirtschaftskrise: Wer ist schuld? WAS TUN?
Eigentlich wollte ich jetzt einfach still sein. Denn ich möchte nicht zu der Riege von Experten gehören, die jetzt mit den Händen in den Hüften dastehen und sagen “Ich hab’s ja gesagt” – denn das nützt niemandem. Es bringt den Anlegern ihr Geld nicht zurück, und den kaputten Banken nützt es auch nichts. Trotzdem nutze ich den heutigen SCHWARZEN MONTAG für eine Stellungnahme.
Seit Jahren schreibe ich darüber, dass Banken ihr Kerngeschäft nicht mehr verstehen. Kastriert von selbst auferlegten Systemen wie Basel II, andererseits gänzlich freigespielt für Roulette-Spekulation mit gebündelten Kreditprodukten. Dass es SO tragisch ist, dass Finanzinstitute jetzt umfallen wie die Dominosteine, hätte ich mir trotzdem nicht vorstellen können. Hier wurde offenbar jeder Wirtschaftssachverstand und jede Risikoscheu über Bord geworfen. Der vielzitierte “kleine Mann” und die Kleinbetriebe gingen kreditmäßig schon in den letzten Jahren leer aus, weil die feinen Herren in den hohen Etagen lieber Monopoly spielten. Die USA will sich ihrer Verantwortung wie gewohnt entziehen: Gewinne behalten, Verluste exportieren. Das funktioniert diesmal wohl nicht mehr. Denn Verluste hat Europa selbst schon genug.
Dass das globale Finanzsystem krank ist, steht außer Zweifel. Was soll man jetzt tun?
Ich denke, man sollte sich keine Sorgen um das Ersparte machen, schon eher um das “große Ganze”. Werde ich auch 2009 noch einen Job haben? Was, wenn ich mir von dem Geld nichts mehr kaufen kann, weil es plötzlich wertlos wird? Was passiert, wenn alles zusammenbricht, und ich keine Energie für Wohnung/Haus/Auto mehr geliefert bekomme? Das Internet ausfällt? Was, wenn jede staatliche Kontrolle verlorengeht und Diebe hinter Vorräten her sind?
Klingt das beängstigend? Ist es wohl. Vor wenigen Wochen outete man sich mit solchen Aussagen als paranoider Verschwörungstheoretiker. Jetzt wird dieses Denken salonfähig. Wir sind wohl im freien Fall. Wer ohne Fallschirm aus dem Flugzeug springt, macht sich in der Regel weniger Sorgen um eine Unterkühlung, als vielmehr um den Aufprall. Fürchten Sie sich nicht davor, dass die Bank Ihr Erspartes, Ihr Geld nicht mehr auszahlen kann, denn wir haben andere Sorgen.
Geld ist eine abstrakte Zahl, die jederzeit auf 0 gestellt werden kann, wenn das System kippt. Geld an sich hat nur den Wert, an den man glauben will – ansonsten ist es buntes Papier. Früher war es ein Anteilsschein am Gold, das in der Nationalbank lag, man konnte also theoretisch den Gegenwert an Gold herausverlangen. Das gilt schon lange nicht mehr.
Sorgen Sie sich lieber um die Erfüllung Ihrer Grundbedürfnisse, wenn Sie sich auf niemanden mehr verlassen können.
Wer die Gelegenheit verpasst hat, in Sachwerte zu investieren, sollte zumindest einen kleinen Notfallplan für die eigene Familie entwickeln, und einen Notvorrat an existentiell notwendigen, langlebigen Verbrauchsgütern anlegen.
Ich kann mich an keinen Zeitpunkt in den letzten 30 Jahren erinnern, an dem eine solche Notfall-Rückversicherung angebrachter gewesen wäre als jetzt. Scheuen Sie sich nicht, dafür Geld auszugeben.
Wer es nicht ganz so pessimistisch sehen will, kann jetzt Investitionen vorziehen und Dinge anschaffen, die man schon lange haben will. Sehr sinnvoll ist es, jetzt in erneuerbare Energien und Energiesparmaßnahmen zu investieren. Oder eine zweite (Backup-)Heizstelle.
Aber lassen wir die Kirche im Dorf – ich rechne nicht mit einem Total-Zusammenbruch unseres gewohnten Systems. Auch wenn das passiert – es gibt immer einen Weg, damit fertigzuwerden.
Soll man jetzt die Banken retten? Ich denke nicht. Wer sich verspekuliert hat, soll die Konsequenzen tragen. Wer sagt, dass dann die ganze Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wird, liegt falsch: sie ist schon am Boden, wir sehen es nur noch nicht. Eine künstlich beatmete Bank hilft der Wirtschaft nicht mehr, schon gar nicht unter staatlicher Kontrolle.
Für die Zeit nach der Krise (meiner Meinung nach frühestens 2010) hätte ich ein paar Vorschläge:
* Verbot jeglichen Hedgings (Absichern von Kursbewegungen)
* gänzliches Verbot von Short Selling (Spekulieren auf fallende Kurse)
* gänzliches Verbot von Optionen, Zertifikaten und derivativen Produkten, die abstrakt und losgelöst vom Basiswert gehandelt werden können
* Einführung der Tobin-Steuer zur Beschränkung des Devisenhandels
* Staatliche Förderbank für Kleinunternehmer, die nach Basel II vor dem Aus stehen – Kredite ohne Bürokratie zur schnellen Hilfe
* Totale Offenlegungspflicht sämtlicher Transaktionen
* Wiedereinführung der Goldbindung 1:1 – das Geld verbrieft dann wieder den anteiligen Besitz eines hinterlegten Sachwertes, und wird damit stabilisiert.
* Verpflichtung der Banken, nicht nur genügend Eigenkapital zu halten, sondern auch genügend Kredite an Private und Wirtschaftstreibende zu vergeben, mit zentral festgelegten Entscheidungskriterien.
Was bleibt dann noch übrig?
Ganz einfach: Aktien, Anleihen, und Währungen (letztere durch die Tobin-Steuer stabilisiert). Ein Markt, der diese Bezeichnung verdient. Durchsichtige Anlageformen. Die Hoffnung, dass man aus der jetzigen Situation lernt. Und ein Neubeginn.
