Neue GmbH Light, GmbH-Reform 2013: Und Österreich bewegt sich doch!

Nachdem ich die kläglich gescheiterte GmbH-Reform 2010 noch in ihren Anfängen als „typisch österreichischen Mist“ enttarnt habe, scheint sich Österreich nach einigen Jahren des Zauderns im Jahr 2013 doch noch bewegt zu haben – man höre und staune: Zum Besseren! Seit 1.7. gibt es tatsächlich neue Rahmenbedingungen für Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die es Unternehmern erleichtern, dieser „juristische Person“ Leben einzuhauchen. So macht das Sinn!

Die bereits hinlänglich kolportierten Eckpunkte der GmbH-Reform 2013 sind:

  • Das Stammkapital beträgt nur noch 10.000 Euro, von denen die Hälfte „bar“ aufzubringen sind. Das ist eine deutliche Erleichterung gegenüber den früheren 35.000 Euro, von denen man 17.500 Euro bar zusammenkratzen musste. Bestehende GmbH’s können ihr Kapital auf die neuen Werte absenken.
  • Die Mindestkörperschaftssteuer, welche 5% des Stammkapitals beträgt, reduziert sich logischerweise auf 500 Euro pro Jahr. Das entspräche beim KÖSt-Satz von 25% einer Bemessungsgrundlage von 2.000 Euro Jahresgewinn.
  • Die Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung entfällt – es wurde auch höchste Zeit, diesen Anachronismus abzustellen, wir leben im 21. Jahrhundert und nicht unter Kaiser Franz Joseph I.

Was bleibt? Weiterhin erforderlich bleiben der Notariatsakt, die Eintragung im Firmenbuch, doppelte Buchführung und Veröffentlichungspflichten wie die des Jahresabschlusses. Unterm Strich ist die GmbH-Gründung vor allem aufgrund des sinkenden Mindestkapitals leistbarer geworden. Die Gründungs- und Nebenkosten reduzieren sich nur unwesentlich. Die laufenden Steuerberatungskosten sollte man keinesfalls unterschätzen – eine doppelte Buchführung ist wesentlich aufwändiger als die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, die viele Kleinunternehmer sogar selbst machen können. Mit dem Zu- und Abflussprinzip ist dann auch Schluss.

Mein Fazit: Es ist Österreich gelungen, seine GmbH den Erfordernissen des Zeit anzupassen. Das ist erfreulich. Damit wird diese Kapitalgesellschaftsform jedoch nicht automatisch für jeden Unternehmer sinnvoll. Natürlich winken geringere Steuern (25% Körperschaftssteuer gegenüber 50% Einkommensteuer-Spitzensatz) und (nur vermeintlich, liebe Arbeiterkammer und Gläubigerschutzverbände) beschränkte Haftung, doch die laufenden Kosten machen eine GmbH nach wie vor erst bei hohen Jahresgewinnen wirtschaftlich rentabel. Wem es ums Prestige geht, statt „Max Mustermann“ nun eben „Mustermann GmbH“ auf der Visitenkarte stehen zu haben, sollte sich die Kosten trotzdem vorher durchrechnen lassen.

Den GmbH-Gesetzestext in der aktuellen Fassung finden Sie hier:
http://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10001720

Eine Antwort zu “Neue GmbH Light, GmbH-Reform 2013: Und Österreich bewegt sich doch!”

  1. Norbert sagt:

    Auch wenn es manchmal ein wenig dauert ist Österreich in manchen Sachen dann doch pragmatischer als Deutschland. Das liegt vielleicht an der Größe des Landes. Das Ausweisen des Lohnes in Stellenangeboten bringt auch für eine GmbH mal ordentlich Wettbewerb in die Vergütungen.
    Dazu noch ein alter Witz:
    Früher hieß er Meyer und war dumm und dämlich, heute ist er Maier GmbH und verdient sich dumm und albern …