Hunderte Tiroler Hotels in Konkurs – ein Nachruf
Hunderte Tiroler Hotels in Konkurs! Nach einem massiven Gästeeinbruch stehen Hoteliers vor dem Nichts.
Wie kam es dazu? Die Lieferanten wollten nur noch gegen Barzahlung liefern und das Personal konnte selbst mit den “eisernen Reserven” nicht mehr bezahlt werden. Die Bank rückte keinen Cent mehr heraus, hat die Fremdwährungskredite in Euro zwangskonvertiert und danach gekündigt und fälliggestellt: Ein Fass ohne Boden, und es blieb nur noch der Konkurs. Noch dazu war das Haus abgewohnt und Ersatzinvestitionen wurden seit 10 Jahren aufgeschoben – was sollte man mit dem alten Kasten schon noch anfangen? Also machte man einfach Schluss!
Und wissen Sie was? Von diesem Schreckensszenario sind wir nicht weit entfernt. Es drängt sich geradezu auf, wenn man liest, mit welcher Überheblichkeit das Tourismusland Tirol durch die Krise zu kommen glaubt. Von der Landesregierung über die Wirtschaftskammer bis zu den Tourismusverbänden zeigt man sich ob der guten Wintersaison optimistisch, dass sich dieser Weg allen Indikatoren zum Trotz in Ewigkeit fortsetzen werde. Wir lesen es beinahe täglich in der Zeitung, wie toll doch alles läuft.
Denn was soll uns schon passieren? Schließlich sind wir ja Tirol und nicht irgendwer. Die deutschen Gäste und unsere Landsleute können sich den Italien- oder Ägyptenurlaub nicht mehr leisten? GUT! Denn dann kommen sie zu uns, weil wir sind ja schließlich so ein günstiges Sommertourismusland. Die Frühbuchungen für die kommende Sommersaison brechen ein? KEIN PROBLEM! Die Menschen sind halt viel kurzentschlossener, die kommen bestimmt! Der nächste Winter könnte ein “normaler” ohne Rekordschneemengen als Extrabonus werden? MACHT NICHTS! Wozu haben wir Schneekanonen?
Diese Ignoranz ist sehr gefährlich. Sie wird uns meiner Meinung nach auf den Kopf fallen. UNS, weil in Tirol so ziemlich jedes Unternehmen am Tourismus hängt. Woher kommen denn die Aufträge für die heimischen Firmen? Wenn man weiß, wie viele Betriebe seit Jahren mehr schlecht als recht über die Runden kommen (ich weiß es aus Bankzeiten), kann einem Angst und Bange werden. Und was machen wir, wenn wirklich hunderte Hotels insolvent werden sollten? Schifahren?
Pessimismus wäre heute wesentlich besser, als überall Zweckoptimismus zu streuen. Denn wie soll man der Tourismuswirtschaft sonst klar machen, dass es Zeit ist, zu laufen? Hätte ich ein Hotel zu leiten, so würde ich ordentlich Gas geben: Schon jetzt Vorbereitungen treffen, neue Konzepte überlegen, und spätestens am 1. Tag nach Schluss der Wintersaison alle Hebel in Bewegung setzen, mein Hotel möglichst frühzeitig mit Qualitätsbuchungen zu belegen. Keine Tourismusmesse in ganz Europa auslassen, massiv in die Bestandskundenpflege investieren, ein eigenes Blog aufbauen und auch wirklich aktiv darüber kommunizieren, virales Marketing betreiben, Hilfe von Interessensvertretung und Verbänden in Anspruch nehmen, und und und! Wie anstrengend die Saison auch gewesen sein mag – Urlaub darf es jetzt nicht geben.
Denn der Einbruch kommt mit Sicherheit, und er wird viele Betriebe hart und unvorbereitet treffen, vor allem jene, die sich jetzt auf die Optimisten verlassen. Ich weiß, dass dieser Artikel niemanden besonders interessiert, denn ich bin ziemlich alleine mit meiner Meinung, wie schon im März 2008, als ich der Luftfahrt ihren Höhepunkt bescheinigte. Damals wurde in Pilotenforen geätzt, das wäre Blödsinn, jetzt ist der Himmel über den Fluglinien nicht mehr ganz so blau.
Ich werde dieses Post spätenstens nächste Wintersaison wieder hervorkramen, schauen wir mal, was sich in der Zwischenzeit tut. An die Hoteliers: Sagen Sie nicht, Sie hätten diesen Artikel und die darin enthaltenen Warnungen nicht finden können – mit der Suche nach “Tirol Hotel Konkurs” oder “Wirtschaftskrise Tirol” oder “Hotel Krise Konkursgefahr” stand er vielleicht die ganze Zeit auf der ersten Google.at-Seite …
