Ich fühle keine Inflation, ich schau ihr beim Wachsen zu! Die gesehene Inflation

seilbahn65134.jpgVor ein paar Tagen stand ich an der Kasse eines Schilifts, und staunte nicht schlecht: 21,– € waren für die Tageskarte fällig, zum ermäßigten Tiroler-Tarif. OK, ich war schon lange nicht mehr Schifahren. Macht umgerechnet (hmmm, wie gings nochmal?) fast 300,– Österreichische Schillinge, oder 41,07 Deutsche Mark. Und dabei suchte ich mir noch ein günstiges Schigebiet aus. Nur so aus Interesse führte ich eine kleine Internetrecherche durch: was verlangen die Schigebiete rund um Innsbruck momentan für die Tageskarte?

  • Mutterer Alm € 26,–: entspricht ATS 358,– bzw. DM 51,–
  • Axamer Lizum € 29,–: entspricht ATS 399,– bzw. DM 57,–
  • Schlick 2000 € 29,50: entspricht ATS 406,– bzw. DM 58,–
  • Rangger Köpfl € 22,50: entspricht ATS 310,– bzw. DM 44,–
  • Patscherkofl € 29,50: entspricht ATS 406,– bzw. DM 58,–

Vor 7 Jahren, zu Vor-Euro-Zeiten, bezahlte ich selten mehr als 200 Schilling für eine Tageskarte, macht umgerechnet € 14,54. Ich nehme jetzt mal großzügig an, die Preise haben sich innerhalb von 7 Jahren (nur) verdoppelt. Das ergibt eine Steigerung von mehr als 10% pro Jahr. Was ja eigentlich gar nicht sein kann, wie mich die offizielle Inflationsrate glauben machen will, die in diesem Zeitraum um die 2 – 2,5% pro Jahr tendierte.

Die Preissteigerung der Schigebiete ist nur ein Beispiel. Wesentlich heftiger fällt diese in der Gastronomie aus. Wenn ich heute schön essen gehe, bin ich für zwei Personen schnell € 120,– los. Dass das in alter Währung 1.651,24 Schillinge sind, möchte ich eigentlich gar nicht wissen. Denn mein durchschnittliches Einkommen blieb brav auf seinem Niveau. Im letzten Jahr stiegen die Preise für Energie und Nahrungsmittel bedenklich an, teilweise um mehr als 10%. Die offizielle Inflation liegt in Europa dennoch bei (nur) 3,1%. Vor allem aufgrund der Preissenkungen im Elektroniksektor. Für 2008 erwarten die Währungshüter 2,5% Inflation. Ist die Gefahr also gebannt, und die Preise steigen langsamer an?

Ein Artikel der FTD sagt dazu:

Statistiker erklären sich das Phänomen (der von der offiziellen abweichenden „gefühlten“ Inflation, Anm.) damit, dass die Menschen vor allem auf die Teuerung von Produkten des täglichen Gebrauchs achten. Diesen räumen Amtsstatistiker aber nur geringes Gewicht ein. Die Preisentwicklung von langlebigen Konsumgütern wie Neuwagen oder Computer, die im Warenkorb der Statistiker ebenso wichtig sind, nehmen die Verbraucher wiederum nicht wirklich wahr. Mit anderen Worten: Der starke Preisanstieg bei Milchprodukten wie Butter und Speisequark wird stärker wahrgenommen als die Verbilligung von Kommunikationsdienstleistungen.

Ich kann zu solchen Statistikern nur sagen: Versuchen Sie mal, sich von einem Neuwagen oder Computer zu ernähren oder die Wohnung zu heizen, dann erkennen Sie den Unterschied. Tatsächlich ist die „gefühlte“ viel näher an der Wahrheit als die „offizielle“ Inflation. Wer hat heute also Durchschnittsverdiener noch die Möglichkeit, gleichviel in langlebige Konsumgüter zu investieren wie in Güter des täglichen Bedarfs? Und noch eines: Ich will „gefühlt“ nicht mehr hören, denn ich schau der Inflation beim Wachsen zu. Also lieber: „gesehene“ Inflation.

4 Antworten zu “Ich fühle keine Inflation, ich schau ihr beim Wachsen zu! Die gesehene Inflation”

  1. […] enormer Anstieg der Geldmenge (noch nie war der Bedarf an Gelddruckmaschinen so groß wie heute!), steigende Inflationsraten mit aufkeimenden Inflationsängsten und beginnender Flucht der Kapitalanleger in Sachwerte. In […]

  2. Mobbing Tom sagt:

    Dass Kommunikationsdienstleistungen immer Günstiger werden finde ich natürlich toll. Demnächst lasse ich die Beilage zum Essen weg und stelle meiner Familie die vierte und fünfte Flatrate auf den Tisch.

  3. Daniel sagt:

    Die Unterschiede zwischen gemessener, gefühlter und der hier beschriebenen „gesehenen“ Inflation sind schon enorm. Auf http://www.online-kredite.com/blog/allgemein/wie-der-staat-an-der-inflation-verdient.html gibt es im Übrigen einen recht interessanten Blog-Beitrag, der sich mit der Thematik beschäftigt, inwiefern der Staat an der Inflation verdient.

  4. Matthias sagt:

    Ja die Sache mit der Inflation is schon ne Sache für sich habe auf http://www.finanzxl.de gelesen das diese so hoch ist wie vor dem 2.Weltkrieg und das wir immer weniger Kaufkraft haben, eigentlich recht bezeichned. Habe ganz INteressante statistiken bzw infos dazu auch unter http://www.abakuskredit.de gefunden.