Kredit und Arbeitnehmerveranlagung / Steuerausgleich: Kreditraten in der Steuererklärung absetzen?

Kann man Kreditraten von der Steuer absetzen, und wie nimmt man diese in die Einkommenssteuererklärung auf? Was muss ich bei der Arbeitnehmerveranlagung beachten, und wie viel Geld bekomme ich beim Steuerausgleich zurück? Der Steuerausgleich bedeutet für viele österreichische Haushalte ein willkommenes Körberlgeld, mit dem man z.B. einen Kurzurlaub finanzieren kann.

Das Geld vom Finanzamt ist kein Geschenk – man hat dem Staat schlichtweg übers Jahr gerechnet zu viel an Einkommens- bzw. Lohnsteuern bezahlt und muss die Rückzahlung explizit anfordern – sonst sagt der Finanzminister nach Ablauf der fünfjährigen Frist ganz leise „Danke“. Nun lassen sich diverse Ausgaben und Sachverhalte in der Steuererklärung erfassen und steuermindernd geltend machen. Z.B. der Alleinverdiener- und Alleinerzieherabsetzbetrag, Kinderfreibetrag, Unterhaltsabsetzbetrag oder auch Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen. Kredite, Darlehen und Finanzierungen werden in der Rubrik „Sonderausgaben“ berücksichtigt, und hier unter „Kosten für Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung“. Das bedeutet: Hier geht es nicht um PKW-Kredite, Urlaubskredite oder Konsumfinanzierungen, sondern ausschließlich um „Darlehen für die Errichtung und Sanierung von Wohnraum“. Der Finanzierung muss die Errichtung oder Sanierung von Eigenheimen (nicht: Freizeitwohnsitzen oder ähnliche) sowie Eigentumswohnungen, die zu mindestens 2/3 der Gesamtfläche Wohnzwecken dienen, zugrunde liegen. Weitere Bestimmungen finden Sie im Detail auf den Seiten des Bundesministeriums für Finanzen. Dort führt das Ministerium weiter aus:

Wird die Errichtung oder Sanierung von Wohnraum fremdfinanziert, sind die Rückzahlungen (inkl. der bezahlten Zinsen) als Sonderausgaben absetzbar. Dies gilt auch dann, wenn das Darlehen vom Voreigentümer übernommen worden ist. Auch die Rückzahlungen von umgeschuldeten Krediten mit besseren Konditionen sind begünstigt.

Der Knackpunkt: Ausgaben für Wohnraumschaffung und Sanierung werden nur „innerhalb des gemeinsamen Höchstbetrages“ berücksichtigt, während z.B. Leibrenten, Nachkauf von Versicherungszeiten oder Steuerberatungskosten unbeschränkt abzugsfähig sind. Damit fallen die Darlehensraten in die Topf-Sonderausgaben, von denen nur ein Viertel der tatsächlichen Aufwendungen berücksichtigt wird, und ein Betrag von 60 Euro ohnehin schon „pauschal“ in der Steuererklärung angenommen wird. Liegt das Jahreseinkommen über 36.400, reduziert sich der abzugsfähige Betrag stufenweise, ab 60.000 Euro Verdienst pro Jahr werden die Topf-Sonderausgaben komplett gestrichen. Dann bleiben nur die pauschalen 60 Euro übrig, na vielen Dank.

Inwieweit man Kredite und Darlehen für außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen kann, hängt vom Einzelfall ab. Das Gesetz fordert, dass diese Aufwendungen „außergewöhnlich sind, zwangsläufig erwachsen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigen“. Dazu gehören z.B. Krankheits- und Kurkosten, Zahnersatz, Heilbehelfe oder Entbindungskosten. Es gibt außergewöhnliche Belastungen mit und ohne Selbstbehalt, zu letzteren gehört jedenfalls die Beseitigung von Katastrophenschäden. Musste man für die Finanzierung von außergewöhnlichen Belastungen Kredit oder Darlehen aufnehmen, so ist zu beurteilen, inwieweit die finanzierten Kosten überhaupt als „außergewöhnliche Belastungen“ akzeptiert werden.

Fazit: Kredite und Darlehen finden nur in engen Grenzen Aufnahme in die jährliche Arbeitnehmerveranlagung bzw. Einkommenssteuererklärung. Die meisten Finanzierungen werden wohl nicht geeignet sein, die Steuerbemessungsgrundlage zu senken, und wenn, dann nur in sehr überschaubaren Grenzen, die noch dazu mit steigendem Einkommen sinken. Im Zweifel wenden Sie sich an Ihren Steuerberater, dessen Kosten Sie unbeschränkt als Sonderausgaben absetzen können – welch Glück.

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