Kredit-Voraussetzungen: Das Geld der Bank gibt’s nur, wenn alles passt!

Als Kundenbetreuer und Kreditspezialist im Privat- und Firmensektor war ich täglich mit neuen Kreditanfragen und Geldwünschen befasst. Viele Interessenten waren schlecht vorbereitet oder erfüllten nicht alle nötigen Voraussetzungen, um Geld geliehen zu bekommen. Schnell ist ein Kreditantrag abgelehnt, wenn Sie sich schlecht vorbereiten! Damit das nicht passiert, möchte ich Ihnen hier die wichtigsten Bedingungen präsentieren, die Banken an Kreditnehmer stellen.

Die Eckdaten müssen stimmen

Zuerst muss das „Finanzierungsobjekt“ innerhalb des Machbaren bzw. Sinnvollen befinden. Exotische Anschaffungen wie der Kauf eines Bootes, Kunstwerke oder Schönheitsoperationen fallen in der Regel aus den Standardvorgaben heraus und müssen einzeln geprüft werden. Hier hat man es schwer, eine Bank zu finden. Wer aber an den Kauf von Immobilien bzw. deren Sanierung, einen Autokredit oder eine Umschuldung denkt, kann mit mehreren Angeboten rechnen.

Auch die gewünschte Laufzeit muss stimmen: Während Immobilienkredite mehrere Jahrzehnte laufen können, sollten für einen PKW-Kredit nicht mehr als sechs Jahre nötig sein. Was hätten Sie auch davon, wenn Sie in 15 Jahren noch die Raten für ein Auto zurückzahlen, das schon längst am Schrottplatz steht? Je länger die Laufzeit, desto kleiner die Raten, aber auch: umso höher die Zins- und Gesamtbelastung.

Individuelle Voraussetzungen

Könnte sich die Bank einen Kreditkunden aussuchen, so wäre es der kinderlose, schuldenlose Bestverdiener aus reicher Familie, der eigentlich gar keinen Kredit nötig hat. Wie schon Mark Twain treffend bemerkte: „Banken leihen dir nur Geld, wenn du beweisen kannst, dass du es nicht brauchst“. Ganz so schlimm ist es in Wirklichkeit nicht, aber manche Personengruppen haben es schwerer als andere, an Kredite zu kommen. Da wären zuerst Jugendliche und Studenten, sowie auf der anderen Seite Senioren über einer gewissen Altersgrenze. Wer zu alt ist oder über kein geregeltes Einkommen verfügt (wie z.B. auch im Fall der Arbeitslosigkeit), fällt in eine Risikogruppe, der nur selten Geld geliehen wird.

Das freie Haushaltseinkommen

Wie viel Geld bleibt Ihnen bzw. Ihrem Haushalt nach Abzug aller monatlichen Kosten übrig – und kann davon ein zusätzlicher Kredit zurückgeführt werden? Die einfache Mathematik kann einem schnell einen Strich durch die Rechnung machen, wenn Sie nicht nachweisen können, dass Ihr persönliches Budget die neuen Finanzierung aushält. Berücksichtigen Sie alle Kosten, also nicht nur fixe Belastungen wie Miete, Gas oder Strom, sondern auch Ihre Lebenshaltungskosten. Auf conserio finden Sie zu diesem Zweck ein Haushaltsbuch auf Excel-Basis.

Die Bonität

In Zeiten von Schufa und KSV ein leidiges Thema: Ihr Rating (bzw. Scoring) in den Registern der „Auskunfteien“. Wer schon einmal Schwierigkeiten mit seinen Finanzen hatte, könnte negativ vorgemerkt sein. Teilweise reicht es schon, nur eine einzige Handyrechnung nicht bezahlt zu haben oder in einer schlechten Wohngegend zu leben, um den Gesamtscore zu senken. Klarheit gibt nur die einmal jährlich kostenlose Auskunft über die persönlichen Daten, die Sie bei der Schufa (Deutschland) bzw. dem KSV (Österreich) online anfordern können – und sollen! Prüfen Sie die Daten, vor es die Bank tut, bei der Sie um Kredit ansuchen. So bleibt Ihnen die Chance, falsche Vormerkungen und bereits getilgte Finanzierungen aus dem Register löschen zu lassen.

Wenn es schlecht um Ihre Bonität steht, verheimlichen Sie das nicht, denn jede Bank holt sich zuerst eine Auskunft, bevor sie Ihnen Geld leiht. „Kredite ohne Schufa“ werden oft von windigen Geschäftemachern beworben, denen es nur darum geht, Ihnen Versicherungen anzudrehen – oder schlimmer: Ihnen Geld aus der Tasche zu locken, um „Bearbeitungsgebühren vorzufinanzieren“. Das Geschäft mit der Verzweiflung anderer Menschen scheint leider ziemlich lukrativ zu sein. Im besten Fall zahlen Sie wesentlich höhere Zinsen, als würden Sie die Bank in Ihre Karten sehen lassen.

Die Sicherheiten

Im standardisierten Kleinkundengeschäft, wo es oft nur um wenige Tausend Euro geht, wird nicht selten auf die Beibringung von Sicherheiten verzichtet. Typische Sicherheiten wären hier Bürgschaften, Abtretung von Lebensversicherungen, Sparbüchern, Wertpapierdepots oder Eigentumsvorbehalte. Wer an die Anschaffung einer Immobilie denkt, muss in den meisten Fällen seinen Kredit mit einer Grundschuld bzw. Hypothek besichern, die im Grundbuch eingetragen wird. Nur selten – und nur bei sehr guter Bonität – reicht die Unterschrift auf einer eintragungsfähigen Urkunde, um Kosten zu sparen. Insgesamt müssen die Sicherheiten in die internen Vorgaben der Bank passen. Da nützt es auch nichts, den Betreuer anzufahren oder auf Verhandlungsgeschick zu setzen – oft kann nur noch der Vorstand persönlich von den Vorgaben abweichen. Und der wird sich erst ab siebenstelligen Kreditsummen mit Ihnen befassen.

Eigenmittel

Die Bank sieht es sehr gerne, wenn der Kunde einen Teil des nötigen Finanzierungsbetrages selbst aufbringt. Dadurch wird ein eventueller Verlust vermieden, der dem Institut aus einer schnellen bzw. Verwertung (z.B. Versteigerung) der Sicherheiten entstehen könnte. Im Immobilienbereich ist es üblich, zwischen 15 und 30 Prozent an Eigenmitteln zu verlangen. Das senkt nicht zuletzt den Kreditbetrag, die Kreditraten und natürlich auch die Gesamtzinsbelastung. Ohne vorher angesparte Eigenmittel wären viele Wohnungen und Häuser auch gar nicht mehr leistbar, selbst für Doppelverdiener.

Formalvorschriften

Kredite bedeuten Papierkram. Vielen Kunden ist das lästig. Sie lesen sich die Verträge nicht durch, vergessen Unterschriften oder bringen nötige Auskünfte und Urkunden nicht mit. Nicht nur bei der Eröffnung eines Kontos, auch für den Kredit müssen Sie sich mit einem Ausweisdokument legitimieren. Wer zu schlampig mit den Formerfordernissen umgeht (und bloß schnell zu seinem Geld kommen möchte), riskiert die Verzögerung der Auszahlung. Und was nützen die besten Zinsen, wenn das Geld aufgrund eigenen Verschuldens nicht rechtzeitig fließen kann? Der Bank dürfen Sie keine Schuld geben, denn die formalen Erfordernisse an den Kreditgeber werden von Jahr zu Jahr schlimmer. Spielen Sie einfach mit.

Andererseits enthalten Kreditverträge, Abtretungserklärungen, Risikohinweise und andere Schriftstücke der Bank oft fragwürdige, teilweise sogar sittenwidrige Klauseln. Wer gerne auf Punkt und Beistrich herumreitet und Passagen gestrichen haben möchte, könnte sein blaues Wunder erleben: Was aus dem Standard fällt, fällt durch den Rost. Wer nicht zu den Bedingungen der Bank arbeiten will, bekommt eben kein Geld, gerade wenn Sie nicht der Finanzchef eines internationalen Konzerns sind, der sich mehrere Millionen Euro ausleihen möchte. Beim klassischen Konsumentenkredit gilt: Nimm es zu unseren Bedingungen an, oder lass es. Mein Rat: Sollten Ihnen wirklich eines Tages sittenwidrige Klauseln das Leben schwer machen, fechten Sie diese einfach an, wenn es so weit ist.

Fazit

Es ist eine ganze Menge an Voraussetzungen zu erfüllen, bevor das Geld der Bank an Sie fließen kann. Nur wer den Vorgang der Kreditprüfung versteht, kann sich auch darauf vorbereiten. Riskieren Sie keine vorschnelle Ablehnung. Wie ich schon oft geraten habe: Zuerst die Hausaufgaben machen, und erst dann um den Kredit ansuchen!

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