Kredite über das Internet werden immer beliebter. Man kann den Antrag bequem und unabhängig von Banköffnungszeiten ausfüllen. Entscheidung und Abwicklung erfolgen sehr schnell, und auch die Konditionen können sich bei den allermeisten Online-Anbietern durchaus sehen lassen. Nun locken einige Anbieter mit dem Stichwort der “Sofortzusage”, z.B. “Entscheidung binnen 30 Sekunden”. Was bedeutet das in der Praxis? Bekommt man immer und automatisch eine Zusage?
Der Online-Kredit ist praktisch. Viele Menschen sparen sich den Gang zur Hausbank, der oft als “um Geld betteln” und “Hosen runterlassen” empfunden wird. Die Traditionsbanken sind an diesem Eindruck nicht unschuldig, denn Kreditentscheidungen erfolgen dort noch immer willkürlich und nicht selten von persönlichen Befindlichkeiten beeinflusst. Und bis ein Bankbeamter den hausinternen Kreditentscheidungsmarathon absolviert hat, vergehen nicht selten mehrere Wochen!
Das haben einige, vorwiegend ausländische Anbieter erkannt und treten nun ganz offen am österreichischen Markt auf. Schnelle Entscheidungen und Abwicklung, flexible Rückzahlungsmodalitäten und gute Konditionen locken immer mehr Kunden an.
Bei den Angeboten handelt es sich um Standardkredite, die nach genau vorgegebenen Kriterien beurteilt werden müssen. Salopp gesagt, entscheidet der Blechtrottel anhand fixer Parameter über den Kreditwunsch. Passt ein Kreditantrag in die vorgegebenen Rahmenbedingungen, wird er sofort zugesagt = “Sofortzusage”. Wenn es aber ein “No-Go” im Antragsprozess gibt, wie z.B. negative Vormerkungen im KSV-Register (die österreichische Schufa), Arbeitslosigkeit oder die Überschreitung einer Altersgrenze, kommt genauso schnell die Absage. Das heißt: “Sofortzusage” bedeutet nicht automatisch “Du bekommst das Geld geliehen” sondern “wir entscheiden sofort, automatisiert und direkt im Online-Antragsprozess über Deinen Kredit”.
Die Standardisierung der Online-Kreditentscheidung führt manchmal zu kuriosen Situationen. So könnte der Antrag eines sehr vermögenden Menschen z.B. abgelehnt werden, weil er nicht in das 08/15 Schema passt, z.B. derzeit keinen Dienstgeber hat, oder selbständig ist. Das bedeutet, der “Blechtrottel” auf der anderen Seite der Leitung hat keinen Ermessensspielraum, den ein menschlicher Entscheider hätte. Bei Online-Krediten kann kein Auge zugedrückt werden. Doch anders wären Tempo und günstige Konditionen nicht machbar.
Die Zielkunden der Online-Kredite mit “Sofortzusage”, also Sofortentscheidung, sind Menschen in fixen Beschäftigungsverhältnissen (Anstellung), deren Bonität stimmt (= die keine Negativmerkmale im Bonitätsregister aufweisen) und die über ein frei verfügbares Einkommen verfügen, das sowohl das Existenzminimum als auch die Kreditraten abdecken kann. Wer zu dieser Gruppe zählt, kann von den Standard-Internetkrediten profitieren. Alle anderen – so wie z.B. auch ich als Selbständiger – müssen wohl oder übel zur Hausbank pilgern, und dort die Hosen runterlassen.


Zitat: “… willkürlich und nicht selten von persönlichen Befindlichkeiten beeinflusst. ” Ist das in der Praxis wirklich so? Man kann es fast nicht glauben.
Je mehr Entscheidungsfreiheit ein “Haus”-Banker hat, desto eher ist seine Entscheidung von der eigenen Meinung, seinem Bauchgefühl und dem Hörensagen beeinflusst. Sehr oft merkt man das bei Regionalinstituten bzw. Ortsbanken, wo man alle seine Schäfchen persönlich kennt. Ein weiterer Vorteil der Onlinekredite: Man muss keine Angst haben, dass irgendein Dorfkaiser (evtl. nach Alkoholzuspruch) am Stammtisch munter über meine Kredite plappert, von denen er als Aufsichtsrat, Geschäftsleiter oder Vorstand des XY-Instituts weiß. Wer ein wenig Ahnung von der wahren Praxis des Bankgeheimnisses hat, weiß eine gewisse regionale Anonymität zu schätzen. Viel mehr möchte ich aber die dunklen Praktiken der Ach-so-tollen-Hausbanken gar nicht beleuchten, sonst wird dem einen oder anderen Leser hier schlecht.