Opel und Solarworld: Das wär’ doch mal was!
Diverse Nachrichtenagenturen und Medien berichten vom Übernahmeoffert, das Solarworld für Opel legen möchte. Demnach sollen die Produktionsstandorte und das Entwicklungszentrum künftig unter das Solardach kommen und Opel zum grünen Autokonzern werden. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, steht in den Sternen. Sinn würde es machen.
Aufmerksame LeserInnen wissen, dass ich gerne über Elektroautos als Zukunftslösung schreibe. Zwar flaute das Interesse an stromgetriebener Fortbewegung in der Finanzkrise ab, doch die Fakten bleiben dieselben: Öl ist endlich, der Elektroantrieb ist dem Verbrennungsmotor überlegen, und E-Autos lassen sich sehr gut mit umweltfreundlicher Energiegewinnung verbinden. Früher oder später werden wir also elektrisch unterwegs sein – es sei denn, der Wissenschaft gelingt ein anderer Durchbruch.
Solarworld hat den Biss, den es braucht. Den etablierten Autokonzernen geht zwar jetzt ein Licht auf (”vielleicht hätten wir doch nicht so viele Benzinschleudern entwickeln sollen, eventuell wäre es gut gewesen, unsere Elektroauto-Projekte nicht sterben zu lassen, …”), doch man lässt sich lieber staatlich aus der Patsche helfen, als Zukunftsphantasie zu zeigen. Solarworld hat es mit Solarstromtechnik zu einer beachtlichen Konzerngröße gebracht, indem man rechtzeitig auf das richtige Pferd setzte. Zusätzlich bieten sich phantastische Synergiepotentiale: Man könnte Elektroauto und Photovoltaik kombinieren, nach dem bereits hier vorgestellten Motto: “Kauf’ das Auto – und die Solarzellen gleich mit!” – Die Stromgewinnung am Garagendach sorgt für Fortbewegung zum Nulltarif. Solarworld könnte Parkplätze mit Ladestationen/Steckdosen – gespeist von Solarmodulen – ausstatten, und so weiter. Elektroauto und Solarstrom-Konzern passen doch gut zusammen, oder?
Der Solarworld-Chef Frank Asbeck bietet auch der deutschen Bundesregierung eine interessante Option: Statt Opel eine Milliarden-Garantie zu verschaffen, könnte man den Umweg über Solarworld nehmen und die ökologisch interessante Übernahmeaktion mit Zuschüssen und Garantien auf Schiene bringen. Zwar hat der Solarkonzern in den letzten Jahren gut verdient, aber um Opel alleine von GM loszukaufen, dürfte es dann doch nicht reichen.
Für Opel und seine Mitarbeiter wäre das ein Licht am Ende des Tunnels. Die eindeutige Positionierung als “grüner Autohersteller” könnte den Rüsselsheimer Autobauer zum Anführer der E-Revolution machen. Erschwingliche, sichere Elektroautos mit solider Technik wären wohl schon in wenigen Jahren Realität. Solarworld könnte auf die Entwicklungsabteilung und Produktion eines etablierten Autoherstellers zurückgreifen. Ohne großen Aufwand würde man so das eigene Angebot beträchtlich diversifizieren und die automobile Zukunft maßgeblich mitgestalten.
Wie schwer es ist, ein Fahrzeug von Null an neu zu entwickeln, merkt derzeit TESLA MOTORS: Nach wie vor gibt es Probleme mit der Serienfertigung des Elektroflitzers Tesla Roadster. Die Kompetenz von Opel und die Parole von Solarworld würden in Kombination für eine schnelle und reibungslose Markteinführung des Elektroautos sorgen.
Natürlich gibt es jede Menge Bedenken und Fragen. Anleger sind sich nicht sicher, was sie von einer Übernahme halten sollen. Die Opel-Mitarbeiter haben Angst um ihre Jobs. Bis zur Serienreife eines Zukunftsfahrzeugs würden Jahre vergehen, und bis dahin muss Opel gewinnbringend weitergeführt werden. Wird Solarworld der Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und Zukunftskonzept gelingen, ohne unglaubwürdig zu sein? Setzt man von vornherein auf das Elektroauto oder wählt den hybriden Zwischenschritt? Wie werden sich “grüne” Opel-Kfz verkaufen lassen? Welche Schritte sind von der Wissenschaft zu erwarten, um Energieeffizienz und Speicherbarkeit auf wirtschaftlich sinnvolle Größe zu bringen?
Gerade die aktuelle Wirtschaftskrise könnte zum Geburtshelfer unserer automobilen Zukunft werden. Die Zeiten sind unsicher, und was bisher kategorisch aus- bzw. weggeschlossen wurde, wird schnell zur Problemlösung. Umbruchszeiten bringen Veränderung mit sich – für Konzerne, Mitarbeiter und uns als mögliche Kunden der Zukunft. Wir sollten uns visionären Perspektiven öffnen – nach dem Motto “Panta rhei” – alles fließt!


Solarworlds Paukenschlag verpufft
Blitzschnell ging es durch alle Medien: Solarworld will Opel übernehmen – zumindest die deutschen Standorte. Opel soll mit Hilfe von Solarworld langfristig zu einem „grünen“ Autokonzern weiter entwickelt werden.
Anfangs hielt ich es für einen Scherz, doch statt Dementis kam aus dem Hause Solarworld die Bestätigung des Interesses an Opel. Branchenfremde Übernahmen sind in Deutschland zwar nicht ungewöhnlich. Denken Sie an die Wandlung des Bergbauunternehmens Preussag zum führenden Reisekonzern TUI durch zahlreiche Zukäufe. Auch das ein deutlich kleineres Unternehmen einen größeren Rivalen schluckt, kommt vor – Porsche/VW ist das beste Beispiel. Doch beides zusammen erscheint mir kaum machbar.
http://www.sharewise.com/news_articles/2146-Solarworld-Opel
[...] für niemand nicht. Was könnte Opels Konzernmutter also tun – vielleicht doch irgendeinen Deal mit Solarworld machen (keinen Verkauf), um im Dezember ein echtes Zukunftskonzept aus dem Bettelhut zu zaubern? [...]