Pleitegefahr für Deutsche Bank nicht zu unterschätzen – Verstaatlichung als letzte Rettung?

Die Eigenkapitaldecke deutscher ist im Vergleich zu jener amerikanischer Institute verhältnismäßig dünn und das steigende Risiko von Schuldenkrisen in den Schwellenländern wird auch bei bisherigen „Bollwerken der Stabilität“ wie beispielsweise der Deutschen Bank zunehmend schlagend. Deutsche haben nämlich nach den österreichischen Instituten mit einem Volumen von 190 Milliarden Euro (Österreich: 230 Milliarden) die meisten Kredite in osteuropäischen Ländern ausstehen. Vor allem in den krisengeschüttelten Ländern, Ungarn, Polen und Russland ist ihr Engagement am größten. Auch wenn die Deutsche Bank der Ostkrise scheinbar gelassen entgegenblickt so sollten folgende Fakten nicht aus den Augen verloren werden:

2008 brachen die Einnahmen des Bankengiganten gegenüber dem Vorjahr von 30,7 auf 13,5 Milliarden Euro ein und ein von 6,5 Milliarden Euro verwandelte sich in einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro. Alleine im vierten Quartal 2008 lag der Verlust bei 4,8 Milliarden Euro! Eine positive Eigenkapitalrentabilität von 29 Prozent verwandelte sich in eine Negative in der gleichen Größenordnung.

Gewisse Signalwirkung hat die Tatsache dass sowohl die -Agentur als auch Fitch bei Ratings von jeweils Aa1 bzw. AA- den langfristigen Ausblick als negativ betrachten. Somit ist der Weg frei für Downgrades was mit höheren Refinanzierungskosten verbunden wäre. Das ist bei dem hohen Leverage bzw. der dünnen Eigenkapitalquote durchaus problematisch, denn einer Bilanzsumme von 2,2 Billionen Euro (mehr als drei Viertel des deutschen BIPs) steht lediglich ein Eigenkapital von 30,7 Milliarden Euro gegenüber. Wenn infolge der anhaltenden Finanzkrise 1,5 Prozent des gesamten Vermögens der Deutschen Bank schrumpfen, dann ist das Eigenkapital zur Gänze vernichtet und eine staatliche Rettung wird erforderlich sein.

Ohne einer staatlichen Absicherung würde eine drohende Pleite der deutschen Bank vier mal verheerendere Auswirkungen als die Lehman-Pleite (Volumen 630 Milliarden Dollar) haben. Beispielsweise würden dann an den Terminbörsen durch den Ausfall der Clearinghäuser Kontrahentenrisiken schlagend werden. Damit würde die aktuelle Krise eine völlig neue Dimension erreichen. Somit liegt früher oder später in einer Teilverstaatlichung der Deutschen Bank eines der plausibelsten Zukunftsszenarien. Verstaatlichungen im Finanzsektor gab es bereits in Schweden 1992 (Zinsschock mit 500 Prozent Taggeldzinsen) und während der Japan-Krise.

Dieser Artikel wurde von Michael Kordovsky verfasst. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit sowie für das Eintreten von Prognosen wird keine Haftung übernommen. Die Aussagen geben die aktuelle Einschätzung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Eine Haftung für eventuell auf Basis dieser Informationen getroffene Anlageentscheidung ist ausgeschlossen.

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6. März 2009 | Von Michael Kordovsky | Kategorie: Kordovsky | Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , ,

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