Rip Deal, Vorauszahlungsbetrug: Das große Geschäft mit der letzten Hoffnung

Der Rip Deal ist in unseren Breitengraden als Vorauszahlungsbetrug bekannt. Er ist ein Betrugsklassiker und findet immer wieder neue Opfer, die nach Schema F um ihr Geld gebracht werden. Zuletzt sei Rudolf Haberleitner, Chef des insolventen Schlecker-Nachfolgers Dayli, einem Rip Deal aufgesessen, bei dem er dem Vernehmen nach 1 Mio. Euro verlor. Auch im lokalen Umfeld kommt es immer wieder zum Vorauszahlungsbetrug.

Ein Rip Deal geht so: Das Opfer ist verzweifelt auf der Suche nach Geldgebern (Kredit) oder Käufern, z.B. für eine Immobilie. Der Täter gibt sich eloquent, stellt eine hohe Kredit- oder Kaufsumme in Aussicht, verhandelt nicht, lädt das Opfer auf seine Kosten (manchmal ins Ausland) ein und baut Vertrauen auf. Ähnlich dem Anlagebetrugsklassiker „Schneeballsystem“ bzw. englisch „ponzi scheme“ werden letzte Zweifel durch scheinbar reibungslos klappende Vorausgeschäfte zerstreut. Schließlich verlangt der Täter eine im Voraus zu bezahlende Provision, Bearbeitungsgebühr oder sonstige Zahlung. Zum Zeitpunkt der eigentlichen Tat ist das Opfer derart „eingelullt“, dass es jede Vorsicht über Bord und dem Betrüger das Geld in den Rachen wirft. Das große Geschäft kommt nie zustande, der Täter ist mit der Vorauszahlung längst über alle Berge.

Die Dunkelziffer für solche Betrügereien dürfte noch wesentlich größer sein als die Zahl angezeigter Fälle. Denn sehr oft ist Schwarzgeld im Spiel, mit dem die verlangten Zahlungen geleistet werden. Wer dann einen Rip Deal zur Anzeige bringt, darf sich dann gleich selbst wegen Steuerbetrugs mit anzeigen.

Aus psychologischer Sicht ist es nachvollziehbar, dass immer wieder neue Opfer den Rip Deals aufsitzen, auch wenn sie sämtliche Informationen dazu sofort im Internet finden könnten. Wer in die Enge getrieben nach einem letzten Strohhalm greift, an den er sich klammern will, der sieht nicht mehr nach links oder rechts, und möchte auch keine Zweifel mehr hören. Sehr oft machen Opfer die Sache mit sich selbst aus – ein einziges Gespräch mit einem neutralen Vertrauten würde den Traum (oft die letzte Hoffnung) zerplatzen lassen.

Wie könnte man den Vorauszahlungsbetrug verhindern? Mein Vorschlag wäre, bekannte Betrügereien in den Lehrplan der Grundschulen aufzunehmen. Nicht, um ein Heer von Kriminellen heranzuziehen, sondern um jungen Menschen ein Gefühl für die Grundmuster der Wirtschaftskriminalität zu geben. Wer schon früh erfährt, wie Pyramidensysteme, Rip Deals, Nigeriabriefe & Co. funktionieren, wird wachsamer sein, wenn er eines Tages ins Visier der Kriminellen gerät. Was meinen Sie?

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