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Sag “Innsbruck Intl. Airport” zu mir – “Flughafen Innsbruck” war gestern

Die Zahl der Flugbewegungen erreicht internationale Ausmaße, die Belastung der Bevölkerung steigt weiter.

flughafen-innsbruck-belastung.jpgWer in oder rund um Innsbruck lebt, kann ein Lied davon singen. Die Zahl der Flugbewegungen steigert sich rund um die Winterwochenenden zu einer noch nie dagewesenen Belastung. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: die Tatsache, dass Tirol ein Wintersportland ist, und die Tourismusbetriebe einen Großteil ihres Umsatzes von Mitte Dezember bis Mitte April erwirtschaften. Doch das war schon bisher so. Neu ist die wachsende Anzahl von Billigfluglinien, die den Innsbrucker “Flughafen” ansteuern. Neben der Air Berlin sind dies die HLX, Budget Air, Sky Europe, transavia und andere. Zu diesen zählen etwa HLX, Sky Europe und transavia.

Für den Flughafen selbst und dessen Direktor Mag. Reinhold Falch bedeuten die steigenden Flugbewegungen zusätzliche Einnahmen in Millionenhöhe. Schließlich ist für jede Landung sowie den Standplatz eine Gebühr zu entrichten, deren vom Gewicht des Flugzeuges abhängt. Je größer, desto besser. Auch die Zahl der Privatjets steigt kontinuierlich. Diese finden sich nicht in den offiziellen Flugtabellen, sind jedoch kaum leiser als der Charter-und Linienflugverkehr. Die kleinen Motor- und Segelflugzeuge, von der Bevölkerung akzeptiert, werden vom Flughafen abgedrängt – sei dies mit immer schikanöseren Regeln, Kontrollen oder steigenden aller Art.

Nun muss man wissen, dass Innsbruck allseits von hohen Bergen umgeben ist. Es liegt in einem Talkessel. Grund und Boden ist ein knappes Gut. Die Stadt Innsbruck wächst stetig und nimmt für sich in , “Weltstadt” zu sein. Mittlerweile zählt sie 120.000 Einwohner, die angrenzenden Umlandgemeinden noch nicht mitgezählt. Das sind sehr viele Menschen auf sehr wenig Platz.

Die rege Bautätigkeit führte dazu, dass der Flughafen mittlerweile nord-, süd- und ostseits von Wohngebiet umgeben ist. Im Westen trennt der Inn das Fluggelände von einem großen Einkaufszentrum. Dazwischen gibt es noch einen schmalen Grünstreifen. Das Direktorium des Flughafens hat nach jahrelangen Verhandlungen erreicht, dass dieser Rest verbliebenen Platzes als “Sicherheitszone” ausgebaut und der Inn weiter in den Westen verlegt wird. Natürlich geschehe dies nur aus Sicherheitsgründen. Man wolle damit keinesfalls die Zahl der Flugbewegungen steigern.

Doch dazu ist die Sicherheitszone gar nicht notwendig. Die Zahl der An- und Abflüge hat sich auch ohne sie zu einem unzumutbaren Ausmaß gesteigert. Die Sicherheitsbedenken dürften also nicht allzu groß sein. An Samstagen vergehen kaum 5 Minuten, in denen nicht ein großer Passagierjet abhebt oder unter donnerndem Getöse mit größtmöglichem Umkehrschub abbremsen muss. Das alles passiert nur wenige hundert Meter von dicht besiedeltem Gebiet entfernt. Während des Winters steigt die Luftbelastung und mit ihr die Zahl der Atemwegserkrankungen, weil die Luft wochenlang nicht aus dem Talkessel abfließen kann. Schon lange gibt es Vereine von Anrainern, die versuchen, sich gegen diese laufend steigende Belastung zu wehren. Die des Flughafens kann man bestenfalls als halbherzig bezeichnen. Wer will es ihm schon verübeln? Geld regiert die Welt.

Ein Argument des Flughafens lautet, dass sich die Tiroler Bevölkerung Billigfluglinien gewünscht hat. Diese bringen den Tourismusbetrieben zusätzliche Gäste, und die Einheimischen können günstig von Zuhause aus in fliegen. Die Konkurrenz wird belebt, und Platzhirsche wie die müssen sich – etwa auf der Strecke Innsbruck-Wien – auf angemessene Preise einschränken.

Ich frage mich:

  • Braucht Innsbruck diese Flugfrequenz, um Weltstadt zu sein?
  • Wie will Innsbruck Weltstadt werden, wenn sie ihren Bürgern solche Belastungen zumutet?
  • Braucht Tirol diese Flugfrequenz, um seine Hotels auszulasten? Wie hat man das bisher geschafft?
  • Brauchen wir Einheimische Billigflieger, um faire Flugpreise zu bekommen?
  • Verträgt das transitgeplagte Inntal die zusätzlichem Emissionen?
  • Kann ein stark frequentierter Flughafen in einem Talkessel, mitten im Wohngebiet liegen?
  • Welchen Erholungswert soll Innsbruck seinen Gäste bieten, wenn diese von Lärm und Getöse umgeben sind?
  • Gibt es irgendeine Möglichkeit, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten?

Diskussionsbeiträge sind sehr willkommen!

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12. Januar 2008 | Von Mag. J. Fischler | Kategorie: Journal | Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , ,

23 Kommentare
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  1. Ich schließe mich den Beobachtungen an. Die Flugverkehrbelastung nimmt in Innsbruck immer größere und unzumutbarere Ausmaße an. Ich habe mich schon länger gefragt, ob auch andere Anrainer diesen eklatanten Anstieg der Flugfrequenz bemerkt haben und nach meiner schnellen Google-Suche bin ich nun als erstes hier gelandet. Danke für den informativen Text und die Denkanstösse – eine Lösung des Problemes wird mit Sicherheit nicht einfach herbeizuführen sein. Es geht ganz einfach darum, wie auch beim Schwerverkehr, Begrenzungen einzuführen. Doch Wirtschaftsinteressen wiegen in einer neoliberalen Weltordnung mehr, als die Gesundheit der Bevölkerung. Das Problem liegt aber auch wie so oft schon bei jedem einzelnen: Ich spüre in der Bevölkerung beispielsweise wenig Bereitschaft, auf die Billigfliegerei zu verzichten. Die Bahn, als ökologisch verträglichere Transportlösung ist beispielsweise auf der Strecke Innsbruck – Wien kostenmäßig nun nicht nur dem Personenverkehr, sondern auch dem Flugverkehr unterlegen. Diese Entwicklung sollte zu denken geben. Und so endet meine bescheidende Wortspende wird mit dem Krachen eines in 100m Luftlinie entfernt landenden Passagierflugzeuges. Wie treffend.

  2. Lieber Herr Holzhammer, vielen Dank für Ihren Beitrag! Ich schaue grad zum Runway hinüber – da staut sich’s ganz schön, und das seit mehr als 12 Stunden …

  3. Es gibt ja auch die brandneue und sehr informative
    homepage des Vereines AIA: Anrainerschutzgemeinschaft Innsbruck Airport:
    http://www.aia-tirol.at
    mfG Thomas Pachl

  4. Sehr geehrter Herr Fischler!

    Herzlichen Dank für ihren ausgezeichneten Artikel.

    Mit freundlichen Grüßen

    L. B.

  5. Sehr geehrter Herr Fischler,

    danke dass Sie dieses wichtige Thema aufgreifen. Die Innsbrucker Grünen kämpfen seit langem dafür, dass sowohl emissionsseitig (also bei der Belastung, die von den Flugzeugen und vom Flughafenbetrieb ausgeht) wie auch immissionsseitig (also beim Schutz der AnrainerInnen) Maßnahmen getroffen werden. Gerade aufgrund der besonderen Topographie von Innsbruck braucht es ein eigenes Modell lärmabhängiger Start- und Landegebühren, das die Umstellung auf leisere und emissionsärmere Maschinen forciert. Und auf Seite der AnrainerInnen braucht es Maßnahmen, beispielsweise für Lärmschutzfenster. Andere Flughäfen in anderen Städten schaffen dies problemlos, dass der Flughafen Lärmschutzfenster finanziert. Wo bleibt der politische Wille dafür in Innsbruck?

    Mit freundlichen Grüßen
    Gebi Mair

    Gemeinderat Die Grünen

  6. Sehr geehrter Herr Fischler,

    Sie sprechen mir und vielen Menschen in dieser Stadt und seiner Nachbarschaft aus der Seele, jede dieser Artikulationen ist wichtig.
    Könnten Sie das auch den politischen Mandataren auf Stadt-, Landes- und Bundesebene vermitteln? Letztendlich treffen sie die Enscheidungen.
    Hier scheint noch umfassendes Wissen zu fehlen.
    Vielen Dank
    A. H.

  7. [...] Blog mischst du Fachbeiträge aus der Finanzwelt auch mit provokativen Themen wie zuletzt der Flugfrequenz am Flughafen Innsbruck. Fürchtest du nicht um deine Reputation? Politik oder Tourismus könnten dir das übel [...]

  8. Guten Tag und danke für ihr Engagement.
    Umwegrentabilität (für wenige)oder Umweltrentabilität (für alle)? Das ist die Frage!
    Ich kann mir gut vortsllen, daß sich viele Menschen “Billigfluglinien” wünschen, genau so wie sie zum “Billigprodukt” greifen. Wer will schon teuer einkaufen?
    Mit ohnmächtigem Gruß.

  9. Fakten? Der Artikel impliziert alles was man sich nicht getraut zu schreiben, weil es einfach nicht stimmt. Gut gemacht von den Agitatoren. Habt ihr den Flugplatz (international gesehen ist das nicht mehr) bei Miete oder Kauf eurer Wohnung nicht gesehen? Oder habt ihr nur gesehen dass man dann schnell in den Urlaub abzischen kann? Übringens: es heisst “zur Runway”. Aber diese Ewiggestrigen finden es toll dass es vielleicht doch nur die “Tyrolean” gäbe und die dafür 400,- für ein Ticket nehmen sollten. Ich will im Falle eines Unfalles mal die Gesichter dieser Berufsbetroffenen sehen. Vermutlich ist die Hälfte davon von Beruf Lehrer.

  10. Wer kennt sie nicht, die Aussagen des Flughafens:
    ” In Innsbruck landen nur leise Fluggeräte!”,
    ” Innsbruck braucht keine Billig-Airlines”,
    ” Nach 20 Uhr dürfen keine Strahlenflugzeuge mehr starten”.
    Genau so wenig wie diese Aussagen stimmen, wird die Aussage stimmen, dass die “Flugfeldverlängerung” nur der “Sicherheit” dient.

  11. Sehr geehrter Herr Huber, danke für das Kompliment. Das Beste daran ist, dass sich keiner der sogenannten “Agitatoren” persönlich kennt, es sich sozusagen um eine zufällig “gut gemachte” Aktion handelt. Sie könnten es aber auch so auffassen, dass der Lärm tatsächlich ein Problem ist, das über Ihre “Ewiggestrigen” hinausreicht. Gestatten Sie mir, Ihre weiteren Aussagen unkommentiert zu lassen.

  12. Viele “ewig gestrige” wohnen sogar schon länger als “gestern” in Flughafennähe und viele haben aus Wohnungsnot sich dort später angesiedelt.
    Auch bei der Holzhammerstraße wurde (zynisch) argumentiert: Hättets halt ins Grundbuch geschaut – wer? Die Wohnungskäufer oder die, die die Wohnbauten dort errichtet haben?

  13. Wir haben schon längst viel zu viel Flugverkehr/
    -Lärm/-Luftverschmutzung “über” unserer Stadt und nun wird noch ausgebaut. Die betroffene Bevölkerung bedankt sich bei der Wirtschafts- und Tourismuslobby und bei den dafür verantwortlichen in der Politik dafür, daß die Lebensqualität immer noch mehr reduziert wird!

  14. Danke für den Beitrag— aber im Unmut aller umrühren nützt nichts- alle pflichten Ihnen und sich bei. Meinungsbildung ist gut, aber bereits bei allen geschehen.
    Und ich darf anmerken- Zitat “Die kleinen Motor- und Segelflugzeuge, von der Bevölkerung akzeptiert, …” die kleinen Motorflugzeuge sind von mir als Teil der Bevölkerung nicht akzeptiert …

    Alles Gute!

  15. Sehr geehrte Damen und Herren, ich bedanke mich für die zahlreichen Kommentare und wurde darin bestärkt, mich weiterhin für die Anrainerinteressen einzusetzen. Bitte besuchen Sie die Homepage der AIA, http://aia-tirol.at

  16. Sehr geehrter Herr Fischler

    Vielen Dank für Ihre Initiative. Jeder Satz trifft den Nagel genau auf den
    Kopf. Bis auf eine „ewiggestrige“ Stellungnahme haben sich alle Ihrer Meinung angeschlossen. Den stereotypen Satz “Warum seid’s denn da hinzochn” kenne ich schon seit vielen Jahren. Anscheinend halten sich gewisse Leute nur am Flughafen auf und merken
    gar nicht, wie es in der ganzen Stadt dröhnt! Speziell in den Wohngebieten in Hanglage wie Hötting, Mühlau, Arzl usw. sowie in den Überflugsgebieten, denn die Flugzeuge müssen voll Power geben, damit sie die erforderliche Höhe erreichen.

    Es ist bedauerlich, dass sich die maßgeblichen Politiker wenig um die Belange der Bürger kümmern. Auch Umweltstadtrat Peer interessiert das Thema wenig. Umwelt-Landesrat Lindenberger kümmert sich zwar um die Emissionen des Autoverkehrs, aber jene des Flugverkehrs interessieren ihn nicht. Verständlich, wenn man weiß, dass seine Gattin im Flughafen angeblich als “Umweltbeauftragte” tätig ist. Die Flughafenleitung ist berechtigterweise stolz auf ihr Umweltzertifikat. Vorbildliche Müllentsorgung, umweltgerechtes Klopapier und ähnliche Dinge dienen zwar der Umwelt, aber
    nicht den von Lärm- und Schadstoff betroffenen Bürgern in Innsbruck und Umgebung. Diese Emissionen werden im Umweltzertifikat leider nicht berücksichtigt, sonst würde aus dem Umweltzertifikat nur „Schall und Rauch“!
    Hilde Raich

  17. Sehr geehrter herr Fischler!
    Zur Diskussion um den Flughafen-Innsbruck (Ich will ihn immer noch so nennen) nur so viel:
    Wer immer es sich (noch)leisten kann tut besser daran ganz Tirol an Wochenenden(oder ganz)zu verlassen!
    Im Sinne dieses technoiden-tourismus-Kretins ist es wohl aber nicht!
    mfg s.h.

  18. mir wurde vor kurzem erklärt, nachdem innsbruck ein “international airport” ist, kann der flughafen innsbruck gar nicht mehr bestimmen, wieviele flugzeuge landen und schon gar nicht, zu welchen zeiten. das würde heissen, dass die betriebszeiten lediglich “gentlemen agreements” sind, die jederzeit aufgehoben werden können. stimmt das?

  19. Da bin ich leider überfragt. Vielleicht weiß jemand darüber Bescheid?

  20. S.g. Hr. Fischler

    Es gibt keine Billigfluglinie namens Budget Air, also wird sie wohl auch nicht nach Innsbruck fliegen. Air Berlin fliegt auch NICHT nach Innsbruck (im Sommer gibt es Flyniki, 1 oder 2 mal pro Woche). Warum Fehlinformationen ?

  21. Hallo “M.T.”
    “Budget Air” und Air Berlin stammen aus folgender Quelle: megaflieger.de
    Budget Air scheint nur ein Buchungsportal zu sein. Werde den Beitrag korrigieren, dem Fluglärm tut dies allerdings keinen Abbruch.

  22. Ach ja. Wohlstand wollen wir haben; der Staat soll für alles aufkommen. Um das zu ermöglichen brauchen wir Geld und das kommt nicht von den Politikern sondern von der Wirtschaft. Sei doch froh ihr lieben Tiroler, dass es mit dem Flughafen und der Wirtschaft bergauf geht. Nur so kann der Staat Pensionen etc. sichern. Denkt einmal darüber nach, was ihr vor 20 Jahren verdient habt. Warum sollte der Flughafen seine Frequenz wie vor 20 Jahren beibehalten. Ich wohne in Wien in der Einflugschneisse kenn aber kaum jemanden der sich darüber beklagt. Denn wir wollen alle fliegen – und daher darf nicht nur mein Flugzeug abfliegen, sondern auch das des Anderem. Seht nach Zürich. Dort werden Orte abgesiedelt, damit der Flughafen entsprechend expandieren kann. Die Schweiz steht halt in allen Belangen viel besser da als Österreich. Ich habe immer geglaubt, dass die Tiroler und Vorarlberger vernünftiger sind. Wenn ich mir die Meinungen der Flughafengegner durchlese merke ich das Wien und Tirol in Dummheit sehr eng verbunden ist. Liebe Grüße nach Tirol

  23. Werte/r Frau/Herr Hübner!
    Schrecklich wie da Lokalpatriotismus beleidigend eingesetzt wird.
    In Wien hat man bis heute die Umweltpoblematik in Tirol offensichtlich immer noch nicht verstanden. Dort bläst der Wind den LKW-Dreck und den Lärm weg. Fahresn einmal auf die Nordkette: dort oben hörens die Straßenbahn als wäre sie neben ihnen, auch den Inntaldreck sieht man dort am besten. Ob die neue Bahn diese Ausblicke und Höreindrücke besser vermitteln soll, weiß ich nicht – das nur nebenbei – denn die Bewunderer müssen ja da nicht leben.
    CH: Die wirtschaftliche Lage der CH hängt wirklich nicht vom Flughafen ab – außerdem gehts den Chern nicht so gut, wie immer simpel behauptet.
    Daß die Wirtschaft Wohlstand schafft rechtfertigt noch lange nicht, mit nicht-ersetzbaren Resourece(Boden, Luft, Gesundheit) so “großzügig” umzugehen.

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