Tilgungsträger reicht nicht: Muß ich zahlen, wer ist schuld?

Tilgungsträger dienen der Kreditbezahlung am Ende der Laufzeit. Sie werden mit dem Kredit verkoppelt und dienen der Bank als Sicherheit. Was passiert aber, wenn ein Tilgungsträger am Ende der Laufzeit nicht genug wert ist, um den Kredit zurückzuzahlen? Hat die Bank oder der Finanzberater mich falsch beraten, bekomme ich von diesen mein Geld zurück?

Das ist ein strittiger Punkt, der momentan heiß diskutiert wird. Es stimmt zwar, daß Bank und Finanzberater Sie umfassend über Risiken und Umstände eines Kredites zu informieren haben, doch das Vertragswerk und auch die Vereinbarungen rund um den Tilgungsträger sind in der Regel wasserdicht formuliert. Das bedeutet: Weder Bank noch Berater garantieren, daß der Tilgungsträger am Laufzeitende zur Kredittilgung reicht.

Diese Garantie wäre auch sehr schwer aufrecht zu erhalten: Die Bank hat nicht die hellseherischen Fähigkeiten, um prognostizieren zu können, ob z. Bsp. ein Aktiendepot am Ende einer zwanzigjährigen Kreditlaufzeit ausreichen könnte, diesen Kredit auch tatsächlich zurückzubezahlen. Zuviel kann an den Weltmärkten während dieser Zeit passieren, wie man in den letzten Monaten auch gesehen hat. Der Bank also die Haftung für die Entwicklung des Tilgungsträgers aufzuerlegen, wäre verfehlt und würde sogar zu einer Verschlechterung der Situation des Kreditnehmers führen.

Müßten Bank oder Finanzberater nämlich für den Tilgungsträger geradestehen, so hätte das die Konsequenz, daß der Kreditkunde monatlich mehr ansparen müßte. Schon jetzt sind Sicherheitspuffer von 20 bis 40 Prozent in die Tilgungsträger eingerechnet, das heißt, daß ein Kreditkunde schon heute wesentlich mehr in den Tilgungsträger zahlen muß, als es nach den aktuellen Prognosen eigentlich notwendig wäre. Müßte die Bank dann auch noch eine Garantie übernehmen, so müßten Bankkunden vermutlich das Doppelte auf ihre Tilgungsträger einzahlen. Damit wäre der klassische endfällige Kredit nicht mehr leistbar.

Meiner Meinung nach muß man vom mündigen Kunden verlangen können, daß er die Bedeutung des Tilgungsträgers und der Unsicherheiten der Wertentwicklung versteht. Ist es einem Kunden nicht möglich, das Instrument in seinen Einzelheiten zu erfassen und die Risiken beurteilen zu können, so dürfte man einem solchen Kunden niemals ein solches Finanzinstrument verkaufen. Statt Banken und Berater pauschal in die Haftung für alle Kunden zu nehmen, müßte man also überprüfen, ob der individuelle Kunde in der Lage war, das Geschäft zu verstehen. Dies müßte anhand von objektiven Kriterien festgestellt werden, wie berufliches Tätigkeitsfeld, Ausbildung oder Werdegang des Kunden.

Die aktuellen Bestrebungen zu mehr Transparenz und Überschaubarkeit der Finanzmärkte wird vielleicht auch das Ende von Tilgungsträgern und Ansparprodukten mit sich bringen. Damit geht dem Markt zwar ein oft lukratives Geschäft verloren, doch würde sich dadurch das Konfliktpotenzial rund um Fremdwährungs- und endfällige Eurofinanzierungen deutlich reduzieren.

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