Über Deflation und Inflation
Dass wir in der Krise stecken, geben nun auch die Berufsoptimisten zu. Und wo uns Politiker und Medien auf die schlechten Zeiten vorbereiten wollen, fliegen die Fachbegriffe tief. Nachdem ich bereits öfters über die Inflation geschrieben habe (Was ist bei Inflation mit meinem Geld?; Nützt die Inflation, wenn man Kredite hat?) möchte ich heute ein wenig Licht ins Dunkel eines weiteren Schreckgespenstes bringen: der DEFLATION. Diese wird von Experten übrigens regelmäßig als gefährlicher eingestuft als die allgegenwärtige Inflation – da sollte man schon wissen, worum es geht.
Ganz einfach ausgedrückt wird in einer Deflationsphase alles billiger, während die Inflation für Verteuerung von Waren und Dienstleistungen sorgt. Was so schön klingt – schließlich sind wir an explodierende Preise gewohnt – birgt große Gefahren für jede Volkswirtschaft in sich. Das gilt heute noch mehr als früher, weil unsere Wirtschaft von globalen Abhängigkeiten geprägt ist. Gibt es Deflation in den USA, braucht man in Europa und Asien nicht lange danach suchen, und umgekehrt. Geht es China schlecht, geht es uns schlecht. Ich sage dazu: “Wir gehen zusammen, wir fallen zusammen.”
Man kann sich eine Deflation so vorstellen: Das Auto meiner Träume kostet heute 30.000 Euro. Weil die Preise aber ständig sinken, kann ich damit rechnen, dass das selbe Fahrzeug in einem Monat nur noch 28.000 Euro kostet, und in einem halben Jahr vielleicht nur noch 20.000 Euro. Deshalb warte ich lieber ab, bevor ich mir den Flitzer zulege. Das gilt auch für andere Produkte: Elektronik, Kleidung, Spielsachen und so weiter. Käufe werden auf die lange Bank geschoben, weil man sich mit dem Geld, das man hat bzw. verdient, schon bald mehr leisten kann als heute. Das nennt man Konsumstreik.
Pech hat, wer sich etwas über Kredit gekauft hat: Die Schulden bleiben, und der Kredit kostet XY € pro Monat. Für diese Rate könnte man sich schon längst viel mehr leisten – nun steckt der Kreditbetrag in einem Ding, das immer weniger wert wird, und im Geschäft nagelneu die Hälfte kostet …
Die Deflation ist ein sich selbst verstärkender Teufelskreis, den man auch Deflationsspirale nennt. Weil immer weniger gekauft wird (schließlich ist es ja morgen billiger als heute), wird immer weniger produziert, bzw. zu immer günstigeren Preisen abgestoßen. Weil sinkende Produktion mit steigender Arbeitslosigkeit einhergeht, schlittern wir tiefer in die Krise. Unternehmen investieren weniger, Kredite sind schwer zu bekommen, Aktienkurse zerbröseln wegen sinkender Gewinne und allgemeinem Pessimismus, und die Geldmenge sinkt – Geld wird gehortet und damit selbst zum knappen Gut.
Wie kann man der Deflation entkommen? Um das Geld wieder in den Wirtschaftskreislauf zu bringen – die Geldmenge also zu erhöhen, setzen die Zentralbanken auf Zinssenkungen. Ist man bei 0 angekommen, wird es für die Zentralbanken eng – deren Instrumentarium ist überschaubar. Der Staat kann Deflationsgefahren durch große Infrastruktur-Investitionsprogramme bekämpfen und die Steuern für alle Bürger senken. Das soll den Wirtschaftsmotor wieder zum Laufen bringen, schwächt jedoch letztlich den Staat selbst – also uns alle. Patentrezept gibt es leider keines. Viele Experten befürchten, dass eine Deflation nach erfolgreicher Bekämpfung schnell in eine Hyperinflation umschlagen kann – das Lenken der Volkswirtschaft gerät zum Eiertanz.
Viele Tendenzen und Gegenmaßnahmen sehen wir schon heute. Prophylaktisch wird versucht, jede Deflationsgefahr im Keim zu ersticken. Man nimmt die Medizin also schon, bevor die Symptome auftreten. Andererseits gibt mir gerade das Hoffnung: Dass Staaten jetzt Investitionsmaßnahmen und öffentliche Großaufträge zur Konjunkturbelebung ausrufen, Leitzinsen senken und Steuersenkungen offen diskutieren, gibt mir die Zuversicht, dass unsere Politiker (bzw. deren Berater) aus der Wirtschaftsgeschichte gelernt haben und vergangene Weltwirtschaftskrisen als Handlungsleitfaden heranziehen.
Noch vor kurzem glaubten wir, wir hätten die Hebel der Physik außer Kraft gesetzt. Der Höhenflug der letzten beiden Jahrzehnte endete, wo er enden muss: am Boden.
Weil wir es aber erkannt haben, können wir an einer Lösung arbeiten. Wer mehr über die Deflation wissen möchte, kann z.B. hier beginnen: Wiki

Die Europäische Bank benutzt als währungspolitische Maßnahme die Zinssenkung. Diese greift aber in solchen Zeiten nicht wirklich, da die dadurch billigeren Kredite kaum an die Privatwirtschaft weitergeben werden. Hauptsächlich die Banken profitieren davon, da die Kredite aufgrund der hohen Nachfrage nicht viel billiger werden und sie für die vorhandenen Guthaben weniger Zinsen ausschütten müssen.
Die einzige sinnvolle Maßnahme sehe ich in einer moderaten Geldmengenerhöhung der Europäischen Bank mit gleichzeitiger Investitionsförderung mittels Kreditvergaben und Ausgleichzahlungen an die Einkommensschwachen und Unerstützungen für die angeschlagenen EU-Oststaaten.
Das bewirkt eine Umverteilung zu Gunsten der Einkommensschwachen, damit eine Ankurbelung der Nachfrage im Inland und durch den schwächer werdenden Euro auch im Ausland. Werden gleichzeitig Unternehmenskredite vergeben und Investitionsfördernde Maßnahmen ergriffen, dann stimmt auch die Angebotsseite und die Wirtschaft erholt sich.