Urlaub auf Kredit: Urlaubsreisen mit Bankkrediten finanzieren?
Den nächsten Familienurlaub, die Hochzeitsreise oder gar eine Weltreise per Bankkredit finanzieren? Dem durchschnittlichen Bankangestellten (und nicht nur ihm) stellen sich da wohl die Nackenhaare auf. Denn Reisen sind schnell konsumiert, mögen die Erinnerungen noch so lange anhalten. Und dann soll man monate- oder gar jahrelang seine Raten zahlen – für ein Erlebnis, das in der Vergangenheit liegt? Hier meine Gedanken zum Thema.
In der Kreditausbildung hört der Nachwuchsbanker unter anderem von der Fristenkonformität. Sie besagt, dass die Laufzeit einer Finanzierung nicht länger sein soll als die Benutzbarkeit des finanzierten Gegenstandes.
Auf deutsch: Der Autokredit soll nicht länger als fünf bis acht Jahre laufen, weil der fahrbare Untersatz danach wahrscheinlich nicht mehr viel wert sein wird. Kredite für Möbel und andere Konsumfinanzierungen laufen teils noch erheblich kürzer. Finanzierungen für den Haus- oder Wohnungskauf laufen auch mal 25 Jahre, denn Wohnraum nützt sich nicht so schnell ab wie andere Gegenstände.
Der Konsument soll keine Raten für etwas zahlen, das ihm nichts mehr bringt bzw. das nichts mehr wert ist, weil die Anschaffung schon lange zurückliegt.
Mit dem Urlaub auf Pump ist das nun so eine Sache. Reisen sind Dienstleistungen, und Urlaube sind schnell vorüber. Ist man wieder zu Hause, ist die Leistung konsumiert und “nichts mehr wert”. Gemäß dem Grundsatz der Fristenkonformität dürfte dann auch kein Kredit mehr laufen. Mit dem anhaltenden Erholungswert oder den schönen Erinnerungen zu argumentieren, ist zwar kreativ, hilft aber nicht wirklich weiter.
Also dürfte es eigentlich (nach betriebswirtschaftlichen, aber nicht rechtsverbindlichen Grundsätzen) keine Urlaubskredite geben. Und doch wird immer wieder damit gelockt, vor allem auch im Bereich der Onlinekredite. Wie kann das sein?
Moderne Institute und auf das Internet spezialisierte Banken sehen die Finanzierung einer Urlaubsreise lockerer als traditionelle Hausbanken. Wer sich die Kreditraten leisten kann, soll bitteschön auch für seine Weltreise Geld geliehen bekommen, das er/sie dann über einen längeren Zeitraum zurückzahlen darf. Wessen Bonität stimmt, dem wird die entsprechende finanzielle Eigenverantwortung zugetraut.
Doch so leicht kann man es sich auch wieder nicht machen. Schließlich lässt eine einwandfreie Schufa- bzw. KSV-Auskunft nicht auf einen Finanzexperten als Kunden schließen. Es könnte auch ein Mensch am Beginn einer langen Schuldenkarriere sein, der sich – geblendet von den schönen Bankenwerbungen – eine Traumreise auf Kredit finanzieren lässt, dann noch eine neue Wohnungseinrichtung und einen flotten Flitzer, und plötzlich ist er arbeitslos, und dann kracht’s.
Ich rate bei Urlaubsfinanzierungen zur Vorsicht, nicht nur wegen so theoretischer Faktoren wie der fehlenden Fristenkonformität. Wer per Geldleihe auf Urlaub fährt, sollte sich das wirklich leisten können. Auch, wenn er/sie später mal den Job verlieren sollte, und auch, wenn andere finanzielle Belastungen auftauchen, von denen man bei Aufnahme des Reisekredits noch keine Ahnung hatte.
Fragen Sie sich, ob Sie die entsprechenden finanziellen Reserven für Unvorhergesehenes haben. Wenn sich darüber hinaus noch die Kreditraten für die Reisefinanzierung locker ausgehen, kann man auch einen Urlaubskredit aufnehmen. Ob Sie sich dann aber noch Geld für Ihre Reise leihen müssen?



