Anlageflops, Skandale und Krisen frühzeitig erkennen und gewinnen – Teil 4: US-Sparkassenkrise 1986 bis 1995
US-Sparkassenkrise von 1986 bis 1995
Bereits in den 80er-Jahren haben Banker Milliarden durch Immobilienkredite verzockt und die US-Regierung musste gigantische Summen zur Übernahme fauler Kredite aufwenden. Noch bis zum Jahr 2019 werden die Steuerzahler dafür zur Kasse gebeten. Ähnlich wie heute begann der Spuk mit einer liberaleren Kreditvergabe. Savings-and-Loan-Institute (S&L) sind die amerikanische „Sparkassenversion“ und unterlagen einem streng geregelten Aktionsradius ehe 1980 eine Marktliberalisierung erfolgte. Plötzlich konnten die S&L-Institute überregional agieren und ihren Geschäftsbereich auf Konsumkredite und Gewerbeimmobilien erweitern. Binnen weniger Jahre fiel die Begrenzung der Einlagenzinsen auf 5,5 Prozent und regionale Behörden übernahmen die Aufsicht der Institute. Einer aggressiven Geschäftsgebahrung waren die Türen geöffnet. Sorgte anfangs der Immobilienboom in Texas für satte Gewinne, so beendeten die Folgen einer Ölbaisse 1986 den Boom am Häusermarkt. Um ihre Sparer noch bei der Stange zu halten, mussten die Sparkassen immer höhere Einlagenzinsen bezahlen, da bereits 1984 die ersten Institute in Liquiditätsschwierigkeiten gerieten und der brancheneigene Einlagensicherungsfonds bald keine ausreichende Sicherheit mehr bot. Bereits 1987 waren 500 Sparkassen pleite und die US-Regierung gründete die Financing Corporation, die über Anleihenemissionen Gelder für den leeren Einlagensicherungsfonds auftrieb. Letzterer wurde 1989 nach dem Amtsantritt von George Bush durch eine staatliche Einrichtung, nämlich den Resolution Trust (RTC) ersetzt. Dieser hat die unter Zwangsverwaltung stehenden Sparkassen aufgelöst und ihre Vermögenswerte auf andere Institute übertragen.
Die Bilanz der Sparkassenkrise war verheerend, aber im Vergleich zur gegenwärtigen Marktsituation in einer überschaubaren Größenordnung:
- Insgesamt gingen über 1500 Banken Pleite. Bis 1995 liquidierte der RTC 747 Sparkassen mit einem Buchwert von über 400 Milliarden US-Dollar. Alleine am Höhepunkt der Krise, 1989/90, wurden 533 Pleite-Institute mit einem Buchwert von 265 Milliarden US-Dollar abgewickelt.
- Laut einer Studie des Rechnungshofes beliefen sich die Kosten der Bankenrettung auf 160 Milliarden US-Dollar. Unberücksichtigt blieben die Zinskosten für Staatsanleihen, deren Laufzeiten teilweise bis ins Jahr 2019 reichen und mit ca. 7,0 Prozent verzinst sind. Mit den Zinszahlungen kostet die Sparkassenkrise insgesamt 369 Milliarden US-Dollar. Davon fallen 341,1 Milliarden auf die amerikanischen Steuerzahler.
Trotzdem ging die Sparkassenkrise an Europa ziemlich klanglos vorüber. Die Aktienmärkte haussierten und vielmehr war die „Ostöffnungs-Rally“ im Blickpunkt, denn die Realwirtschaft der USA war von der Sparkassenkrise kaum betroffen: Von 1987 bis 1989 wurde sogar ein US-Wirtschaftswachstum zwischen 3,4 und 4,1 Prozent erzielt ehe 1990 der Ölschock infolge der Kuwait-Krise eine Rezession einläutete. Heute hingegen gibt es eine weltumspannende Liquiditäts- und Schuldenkrise, die sich sehr wohl auf die Realwirtschaft niederschlägt.
