Wann verzichtet die Bank auf einen Kredit?

MünzeImmer wieder hört man davon, dass Banken auf Kredite ganz oder teilweise verzichten. Damit ermöglichen sie dem Kunden den wirtschaftlichen Fortbestand. Nicht uneigennützig: Schließlich erhält man im Konkursfall oft gar nichts, beim Weiterleben zumindest einen Teil seines Geldes zurück. Wann kann man also darauf hoffen, dass die Bank auf den Kredit verzichtet?

Ich halte zwei Argumente für sehr wichtig: 1) die Bank muss damit besser aussteigen als wenn sie den ganzen Kredit zurückverlangt und 2) es dürfen keine persönlichen Befindlichkeiten eine Rolle spielen.

Wann steigt die Bank mit ihrem Forderungsverzicht besser aus? In solchen Fällen, wo man den Kreditnehmer “umwerfen”, also in Konkurs schicken würde, wenn man weiterhin auf die Erfüllung der Kreditverbindlichkeiten pocht. Ein Vergleich ermöglicht es dem Bankkunden, weiterhin am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen und zumindest einen Teil des Kredits zurückzuzahlen. Doch das ist noch nicht alles: auch die Sicherheiten werden von der Bank berücksichtigt: Gibt es keine Sicherstellung für den Kredit (was sind Sicherheiten?), wird man einem Verzicht eher zustimmen, als wenn man teilweise oder voll besichert ist. Dann hat die Bank keinen Grund, ihren Kredit abzuschreiben, und wird wohl lieber den Weg der Sicherheitenverwertung (Versteigerung Ihrer Liegenschaft, Auflösung Ihrer Sparbücher, Inanspruchnahme Ihrer Bürgen, …) wählen.

Persönliche Befindlichkeiten: Ich habe Fälle erlebt, wo Banken gegen jede Vernunft auf Kreditzahlung bestanden und den Kreditnehmer damit in die Insolvenz führten. Dabei wäre es besser gewesen, auf einen Teil zu verzichten, da die Sicherheiten nicht für die Abdeckung des Kredites ausreichten. Manchmal stößt man auf pure Unvernunft: Am Kunden wird ein Exempel statuiert, das die Bank selbst teuer bezahlt. Das kann insbesondere dann passieren, wenn nicht das beste Gesprächsklima herrscht – es z.B. laufende Auseinandersetzungen mit Betreuer oder Vorstand gegeben hat. Spielt Emotion in Ihrem Fall keine Rolle, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines Banken-Forderungsverzichts.

Wenn die Voraussetzungen gegeben sind, lohnt sich eine Verhandlung über einen solchen “stillen Ausgleich”, “Vergleich”, “Forderungsnachlass” – manchmal auch “Abschlagszahlung” genannt. Mit dem Reden kommen die Leut’ zusammen, und wieder ist es besser, das offene Gespräch zu suchen, als in Krisenzeiten die Vogel-Strauß-Politik zu betreiben. Aufgrund der großen Gewinnchancen lohnt es sich jedenfalls, einen Unternehmensberater oder Wirtschaftsanwalt mit der Vertretung zu betrauen – dieses Geld ist gut investiert!

Kommentare sind geschlossen.