Warum die Eurozone noch 2010 zerfallen könnte
Ein Zerfall der Eurozone ist ein durchaus vorstellbares Szenario für 2010 sobald sich die Downgrade-Dynamik im ehemaligen „Weichwährungsblock“ beschleunigt. Ein Staat – eine Notenbank – eine Währung lautet das Rezept beständiger Währungen. Im Vergleich dazu mutet der Euro wie ein Währungsexperiment an: Mittlerweile verfügen 16 unabhängige Staaten mit krassen wirtschaftlichen Gegensätzen über eine gemeinsame Währung und eine Zentralbank. Im Zuge der Euroeinführung herrschte von 1. Jänner 1999 bis 31.12.2001 in den 11 Euro-Start-Ländern de facto ein duales Währungssystem. Das Buchgeld war in Euro, Bargeld noch in alter Währung. Nach der physischen Einführung als Bargeld gab es – je nach EU-Mitgliedsstaat – noch Übergangsfristen bis Ende Februar oder Ende Juni.
Für die Teilnahme an der Währungsunion wurden Konvergenzkriterien (Maastricht-Kriterien) festgelegt, die auch noch innerhalb der Eurozone von Bedeutung sind. So muss die jährliche öffentliche Nettoneuverschuldung unter 3 % des Bruttoinlandsprodukts liegen. Laut neuesten Erkenntnissen haben jedoch die „Stabilitäts-Sorgenkinder“ Italien und Griechenland dieses Kriterium im Vorfeld der Euroeinführung de facto verletzt. Griechenland hat dies angeblich mittels statistischer Tricks verschleiert.
Die Staatsverschuldung sollte unter 60 % des Bruttoinlandsprodukts liegen. Ausnahme: Eine stark rückläufige Tendenz.
Wie sieht es aber derzeit tatsächlich aus? Laut Monatsbericht des deutschen BMF scheinen durch die Krise die Konvergenzkriterien plötzlich über Bord geworfen zu sein: EU-weit liegt das Haushalts-Defizit 2009 bei 6,9 % des BIPs. Nur noch 5 Länder, nämlich Finnland, Schweden, Dänemark, Bulgarien und Estland weisen ein Haushaltsdefizit von maximal 3 % auf. Hingegen ein Defizit in zweistelliger Größenordnung weisen auf: Griechenland (12,7 %), Spanien (11,2 %), Irland (12,5 %) und Großbritannien (12,1 %). Die gesamte Eurozone mit Ausnahme von Finnland verfehlt das wichtigste Maastricht-Kriterium – selbst die soliden Deutschen (mit 3,4 %) und die Niederländer (mit 4,7 %).
Kritisch sieht es auch bei den Staatsschuldenquoten aus. Jene von Italien und Griechenland liegen bei jeweils 114,6 bzw. 112,5 % des BIPs. Der EU-Querschnitt liegt bei 73 % (Eurozone 78,2 %) und lediglich Spanien, Luxemburg, Zypern, Niederlande, Finnland, Bulgarien, Slowakei, Slowenien, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Schweden und Tschechien weisen eine Staatsschuldenquote von unter 60 % des BIPs auf.
Credit-Ratings sollen über Verbleib in der Eurozone entscheiden
Die Stabilität ist primär außerhalb der Eurozone zu finden. Während der Dollar in den USA 1785 von einer jungen Nation als Währung eingeführt wurde, ist der Euro alteingesessenen Nationen von einer übergeordneten Instanz – laut kritischen Stimmen – mehr oder weniger aufgezwungen worden. Eigenständige Staaten mussten ihre nationalen Währungen zugunsten einer Gemeinschaftswährung aufgeben – und dies in einer noch frühen Phase, in der die tatsächliche wirtschaftliche Konvergenz noch nicht ausreichend fortgeschritten war. Jetzt in der Krise zeigen sich die nach wie vor vorhandenen strukturellen Schwächen der einstigen „Weichwährungsländer“, die nun nicht mehr in der Lage sind, ihre Währungen abzuwerten und ihre Schulden wegzuinflationieren. Somit können durch Abwertung auch keine Wettbewerbsvorteile geschaffen werden und zusätzliche Steuereinnahmen bleiben aus. Vor allem in Italien, Griechenland, Spanien, Portugal – aber auch in Irland verschärft dieser Umstand die Krisensituation, weshalb im Interesse einer nachhaltigen Stabilität des Euro eine Ausgliederung dieser Länder aus der Eurozone durchaus sinnvoll erscheint. Euro-Anleihen sollten weiterhin als Synonym für hohe Bonität und Stabilität gelten und dies kann nur dadurch gewährleistet sein, dass alle Mitgliedsländer dafür an einem Strang ziehen. Aus diesem Grund sollte man ein Kriterium für einen Verbleib in der Eurozone schaffen, nämlich ein Credit-Rating von mindestens Aa2 nach Moody´s und AA nach Standard & Poors. Griechenland mit einer Bonität von A2 nach Moody´s wäre somit nicht mehr „Euro-tauglich“.
Dass es noch im Jahr 2010 zu einem Zerfall oder einer Verkleinerung der Eurozone kommt, ist nicht vollkommen auszuschließen, weshalb vorsichtige Anleger ihr Vermögen u.a. auch auf Gold, Silber und Währungen aus Öl- und Rohstoff-reichen Ländern, wie beispielsweise CAD, AUD, NOK und ZAR diversifizieren sollten.

