Was Ihr Finanzberater bei einem Kredit verdient

Erst kürzlich stellte ich die Frage, ob das Aus für Fremdwährungskredite auch das Ende von OVB, AWD, DVAG und Co bedeuten könnte, und analysierte die Situation gründlich. Wenn Sie einen Kredit laufen haben oder aufnehmen wollen, sollten Sie wissen, was Ihr Berater mit Ihnen verdient. Man könnte nämlich den Eindruck gewinnen, die Beratung ist gratis – schließlich bekommen Sie keine Rechnung vom Finanzberater. Doch so umsonst die Leistung manchmal ist – gratis ist sie auf keinen Fall. Hier ein kleiner Augenöffner.

Berater verdient gutGehen wir von folgenden Annahmen aus: Sie wollen eine Immobilie erwerben und brauchen neben Wohnbauförderung, Eigenmitteln und Bauspardarlehen noch einen konventionellen Bankkredit in Höhe von € 100.000,–. Der Finanzberater Maier stößt auf Sie und wird beauftragt, eine finanzierende Bank für Sie zu finden. Nachdem einige Zeit verstrichen ist, kommt der Berater mit der guten Nachricht: er hat eine tolle Lösung für Sie gefunden. Das Angebot enthält einige Kostenpositionen, bei denen der Berater etwas verdient.

Hier eine Hilfestellung: BEARBEITUNGSGEBÜHR: Bei Beratung durch , und Co wird in der Regel eine höhere Bearbeitungsgebühr fällig, da diese zwischen Bank und Berater geteilt wird. Meist beträgt diese 2%, ich habe auch schon 3% gesehen. Das bedeutet: Provision für Maier zwischen 1.000,– und 1.500,–. Wer zahlt diese Provision? Richtig, Sie: Die Bearbeitungsgebühr wird meist in den Kredit mit hineingerechnet, dadurch nehmen Sie mehr Kredit auf, als Sie eigentlich brauchen, damit sich die Gebühr ausgeht. Ohne Berater wäre es günstiger: Sie könnten direkt mit der Bank über die Bearbeitungsgebühr verhandeln – 1% ist realistisch – und damit Geld sparen. Dass der Berater keine große Motivation hat, mit der Bank über diese Gebühr zu sprechen, erklärt sich von selbst.

TILGUNGSTRÄGER: Eine spannende Sache. Früher, zu Zeiten des Fremdwährungskredits, war es einfach für Herrn Maier: Er riet Ihnen generell zu CHF und YEN + Tilgungsträger in Form einer Lebensversicherung. Verdienst für Maier: Bei einer Prämiensumme der von vereinfacht € 70.000,– beträgt die Gesamtprovision zwischen 3 und 5%, diese geht zu 100% an den Berater bzw. dessen Organisation, Verdienst also zwischen € 2.100,– und € 3.500,–. Nicht schlecht für eine von außen scheinbar kostenlose, unabhängige Finanzberatung. Dünner wird der Verdienst, wenn Herr Maier Ihnen ein Wertpapierdepot verkauft: diesfalls erhält er z.B. den halben Ausgabeaufschlag, wenn Sie also z.B. € 300,– pro Monat für den Kredit ansparen müssen, gibt’s für Maier Peanuts statt Sahnetorte – € 6,– pro Monat statt € 3.500,– sofort. Deshalb raten Finanzberater immer zu Versicherungen statt Wertpapierdepots als Tilgungsträger.

ENDFÄLLIG IN EURO? Nachdem Fremdwährungskredite nur mehr in Ausnahmefällen gemacht werden, stellt sich die Frage, ob Sie nicht den Euro-Kredit in endfälliger Form aufnehmen sollen. Vorteil für Maier: Er kassiert wieder die Tilgungsträger-Provision. Nachteil für Sie: Ein endfälliger Euro-Kredit macht für den Berater mit Sicherheit Sinn, für Sie nur eventuell.

ERFOLGSPRÄMIE: Passen Sie bei den Beratungsverträgen auf, ob im Erfolgsfall eine Prämie fällig wird, die Sie an den Berater zu zahlen haben. Diese kann zwischen 3,5 und 5% der Finanzierungssumme betragen. Das bedeutet € 3.500,– bis € 5.000,– an Fixertrag für Maier: bekommt er von Bank + Versicherung nichts oder weniger, kann er die Differenz oder den Gesamtbetrag in Rechnung stellen – hoffentlich hat er diese Kosten schon in den Kredit hineingerechnet, sonst können Sie sich überlegen, wo Sie dieses Geld auf die Schnelle herbekommen. Begrenzt werden Erfolgsprovisionen nur durch die guten Sitten. Interessensverbände der Finanzberater schreiben meist vor, dass Berater nicht von beiden Seiten, also Bank und Kunden, Geld verlangen dürfen, bzw. nur bis zur fixierten .

KREDITNEBENGESCHÄFTE: Hierzu zählen Zinsversicherungen wie CAP und , Fremdwährungskurs-Absicherungen und derivative Konstrukte. Auch hier gibt’s Bares für Maier: Im Regelfall die Hälfte dessen, was auch die Bank verdient. Wer zahlt’s? Richtig: Sie. Was könnten Sie sparen? Richtig: Mindestens die Hälfte.

PROVISION VERSUS ERFOLGSPRÄMIE VERSUS BERATUNGSHONORAR: Die Branche der Finanzberatung ist im Umbruch. Wie bereits dargestellt, werden etliche der kleinen Berater ohne finanziellen Background pleite gehen und nur die wirklich “Guten” übrig bleiben.

Die gebeutelte Finanzbranche muss sich überlegen, was ehrlicher ist: Soll man weiterhin den Eindruck erwecken, die Leistung sei gratis, und das Geld wie beschrieben hinten herum kassieren; soll man im Kleingedruckten eine Erfolgszahlung ausmachen, und dem Kunden die Rechnung präsentieren, wenn man von Bank und Versicherung zu wenig bekommt; oder soll man nicht endlich offen sagen, dass man eine Diensleistung erbringt, die auch zu zahlen ist?

Es würde der Branche gut tun. Eine neue Offenheit hinsichtlich Provisionen und Wert der Beratungsleistung könnte auch eine Imageaufwertung bringen. Noch sind wir weit von transparenten Kosten entfernt. Der AWD- oder OVB-Berater oder sogar Ihr Bankbetreuer mit Stundenhonorar? Da bedarf es noch einigen Umdenkens – auf beiden Seiten.

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27. Oktober 2008 | Von Mag. J. Fischler | Kategorie: Schulden loswerden | Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6 Kommentare
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  1. [...] die Vermittlung eines Fremdwährungskredites kassiert, kann dies auf Conserio.at in dem Beitrag Was Ihr Finanzberater bei einem Kredit verdient [...]

  2. Was der Berater verdient? Richtiger wäre was der Berater Provisionsumsatz macht.
    Erstens hat der unabhängige Berater zwischen den banken zu vergleichen Vorteil für den Kunden. Nicht alle Berater verkaufen Lebensversicherungen Sie haben sehr schlecht recherchiert. Der Berater verdient ,allerdings hat er auch eien aufwand der größer ist als der eines Bankberaters, außerdem muss er ncoch Sozialversicherung und Steuern bezahlen, dies braucht der Bankberater nicht.

    mit freundlichem Gruß

    Alois Ganglbauer

  3. Hallo, ich habe gar nicht “recherchiert”, ich war fünf Jahre lang in dem Geschäft und habe täglich mit Finanzberatern gearbeitet.

  4. Konditionen sind – wie auch bei der Bank – Verhandlungssache zwischen Kunde und Berater. Ich reiche gerne auch eine Finanzierung mit 0% Zinsen bei der Bank ein…die Frage ist nur: Wird die auch bewilligt? Und wer bearbeitet den Kredit, wenn er nichts kosten darf?

    Mal ehrlich: Die meisten Kunden kommen mit Null komma nix an Eigenmitteln und erwarten dann noch Gebühren im unteren Prozentbereich? Der Staat kassiert allein für die Eintragung ins Grundbuch (eine Zeile, ein Brief) 3,5%. Insgesamt fallen rund 7-8% staatliche Gebühren an und derjenige der die Arbeit hat soll nichts verdienen? Hm…

    Logisch wohl auch, dass eine Wohnfinanzierung nicht gerade 4x am Tag vorkommt…und für 6,- monatlich können sich die Kunden Ihren Fondsantrag gerne selbst ausfüllen.

    Fakt ist: Banken finanzieren kaum mehr. Da sollten sich die geschätzten Leser lieber mal über ihre Eigenmittel Gedanken machen anstatt an den Gebühren der – oft hart arbeitenden – Berater herumzunörgeln. Aber scheinbar hat ohnehin jeder zuviel Geld und braucht ja sowieso keinen Berater, richtig?

    Mag. Christof Rieber

  5. Schau doch mal auf
    http://www.lohncheck.ch/lohn/finanzen/Finanzberater/geschlecht
    da findest du alle Löhne von Finanzberater nach diversen Soziodemografischen Kriterien gegliedert und grafisch aufbereitet.

    Gruss Toby

  6. Also ein Bankberater hat oftmals ein Festeinkommen sowie Provisionseinnahmen. Bei Privatbanken ist der Anteil leistungabhängiger Vergütung oftmals deutlich höher als bei Sparkassen oder Volksbanken. Die meisten Bankberater kommen über ein monatliches Gehalt von 2.500 Euro netto nicht darüber hinaus. Am meisten verdient sicherlich die Bank. Gerade bei Privatkrediten langen die Banken richtig zu. Seit einigen Jahren werden neben den eigentlichen Zins noch eine Bearbeitungsgebühr und/oder eine Restschuldversicherung mit verkauft. Laut aktueller Rechtsprechung kann man sich dieses Geld jetzt wieder zurück holen. Interessante Informationen habe ich dazu unter http://www.kredit-geld-zurueck.de gefunden. Dort wird einem auch Hilfe angeboten.

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