Was ist das Geschäft einer Bank?
Der Spiegel berichtet heute von weiteren Auswirkungen der Kreditkrise:
Citigroup-Boss Prince ist am Abend im Zuge der Kreditkrise zurückgetreten. Erst kürzlich räumte Merrill-Lynch-Chef O’Neal seinen Posten. Die Citigroup-Krise hat aber noch abstrusere Folgen: Eine Analystin erhielt Morddrohungen…
Die Bank muss nach eigenen Schätzungen weitere acht bis elf Milliarden US-Dollar (7,6 Milliarden Euro) wegen Problemen durch die Finanzkrise abschreiben. Vor wenigen Wochen hatte die Citigroup schon einmal Berichtigungen in Milliardenhöhe vorgenommen.
Wikipedia fasst das Kerngeschäft einer Bank so zusammen:
Eine Bank (ein Kreditinstitut) ist ein Unternehmen, das sich mit Geschäften des Zahlungs- und Kreditverkehrs befasst. Je nach Typus beschäftigt sich eine Bank mit der Kreditvergabe, der Verwaltung von Spareinlagen, dem Handel mit und der Verwahrung von Wertpapieren oder – im Falle einer Universalbank – mit allem zusammen. Die Gesamtheit aller Banken sowie die gesetzlichen Regelungen dazu bezeichnet man als Bankwesen.
Das ist das traditionelle Verständnis einer Bank. Sie nimmt Spareinlagen herein, um diese als Kredit an andere Kunden weiterzuverleihen, erledigt den Zahlungsverkehr und handelt bzw. verwahrt Kunden-Wertpapiere. Einen Teil der Einlagen – gemessen an den gegebenen Krediten – muss sie zurückbehalten. Gerade diesem Teil wird von Basel II überproportionale Beachtung geschenkt: Er richtet sich künftig nach Bonität und Sicherheiten des Kreditnehmers. Wie bereits in einem anderen Artikel beschrieben, verkomplizierte dies die traditionelle Kreditvergabe erheblich.
Und wo die Dinge kompliziert werden und sich nicht mehr lohnen, sucht man sich andere Geschäftsfelder. Banken und Versicherungen haben das Geschäft der Eigenveranlagung für sich entdeckt: Kundengelder werden (statt in Kredite) in Wertpapiere und derivative Geschäfte gesteckt. Das schien sich eine Zeitlang zu lohnen: unkompliziert – ohne hohe Auflagen, ohne hohes Risiko oder bürokratischen Aufwand – wurden stabile Renditen erwirtschaftet. Der klassische Kreditnehmer, v.a. der Unternehmer, bekam und bekommt sein Geld immer schwerer – wir kennen dieses Phänomen als “geänderte Kreditvergabepolitik” oder einfach Basel II. Dass sich die Gegenwehr bei Einführung dieses Regulativs in Grenzen hielt, lässt sich durch den seit Jahren blühenden Eigenhandel erklären. Kredit an Kunden nur mehr, wenn es leicht geht. Basel II wurde ein vielgebrauchter Entschuldigungsgrund: “Ich würde dir ja gerne Kredit gewähren, aber Basel II…”
Fälle wie die Karibikverluste der BAWAG brachten den Stein ins Rollen: Die Milliardenspekulationen sind eben nicht risikolos, sondern einfach nur unkompliziert und unreguliert. Banken und Versicherungen sind überproportional “hinter den Kulissen” engagiert. Das ist das moderne Verständnis einer Bank. Neben IKB, der Sachsen LB und der Citygroup gerieten viele andere internationale Banken und Versicherungshäuser in die Schlagzeilen. Sie mussten und müssen Beträge in 10stelliger Höhe wertberichtigen, weil sie sich die Finger an den US-Hypotheken verbrannt haben. Viele davon, indem sie die Kredite aus den USA in “Paketen” zu Spekulationszwecken einkauften. Und statt sich wieder auf das traditionelle Bank- und Versicherungsgeschäft zu konzentrieren (und dem Kreditnehmer wieder mehr Beachtung zu schenken), ist jetzt die Gründung eines Kreditkrisenfonds für Banken im Gespräch.
Dabei ist die Lösung des Problems so einfach und liest sich wie das Fazit eines Managementlehrbuchs: “Konzentriere Dich auf Dein Kerngeschäft!” Wer lieber spielt als zu arbeiten, wird damit verlieren.


Also so simpel dürfte es doch wohl nicht sein, denn eigentlich haben sich die Banken ja auf Ihr Kerngeschäft konzentriert. Aber weil die Vergabe nach Basel II (das übrigens erst seit 1.1.2007 in Kraft getreten ist, aber die Ausrede galt schon viel länger vorher) eben schwierig ist, wurden Kredite aus Amerika gekauft… extrem günstig, weil sie eben sehr riskant waren. Hätten die Amis auch nach Basel II Kredite vergeben, dann wäre das Schlamassel wohl ausgeblieben. Es ist halt nicht immer eine gute Idee jemanden einen Kredit zu geben für den Bau eines Hauses das nach Ami-Standard (20 Jahre und es ist nur mehr zum Abreissen zu gebrauchen) wo null Anzahlung stattfindet weil es eh einen Lohnzettel gibt. Na in der Hinsicht freue ich mich darauf, dass die Amis vielleicht auch bald mal Basel II anwenden anfangen.
Hallo Karl,
genau meine Rede! Aber dass die USA Basel II anwenden, halte ich für höchst unwahrscheinlich. Die haben sich bewusst davon ausgenommen! Nur wir Europäer sind leichtsinnig genug, unsere Wirtschaft zu beschränken.
Dass wir die Kreditkrise der USA in Europa zu spüren bekommen, hat meiner Meinung nach sehr wohl mit fehlendem Veständnis für das eigene Kerngeschäft zu tun. Warum sollte die Deutsche Bank sonst Milliarden abschreiben müssen? Nur deshalb, weil sie und andere Finanz- und Versicherungskonzerne das schnelle Geld in der Spekulation mit den Junk-Krediten rochen, und sich gründlich damit irrten.
LG
Joe Fischler