Wie funktioniert ein Devisentermingeschäft?
Bei einem Devisentermingeschäft verpflichtet sich die Bank, einen bestimmten Fremdwährungsbetrag zu einem bereits bei Abschluss des Geschäfts festgelegten Kurs zu einem späteren Zeitpunkt bereitzustellen oder anzukaufen.
Das Termingeschäft ist das klassische Kurssicherungsinstrument bei Veranlagungen, Finanzierungen oder im Export. Bei diesem wird der Devisenkauf bzw. -verkauf nicht mit sofortiger Erfüllung (= Kassavaluta), sondern zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt vereinbart. Prinzipiell ist als Valutatag jeder Werktag möglich.
Folgende Punkte müssen bei Abschluss vereinbart werden:
– Fremdwährungsbetrag (Zu beachten gilt ein Mindestvolumen für Devisentermingeschäften, das von Bank zu Bank variieren kann)
– Erfüllungstermin (übliche Laufzeit bis zu 12
Monate, jeder gewünschte Termin ist darstellbar,
überjährige Laufzeiten sind möglich, aber seltener; am Erfüllungstag werden dieWährungen getauscht und es erfolgt in der gekauften Währung eine Gutschrift und in der verkauften eine Lastschrift)
– Terminkurs (Abhängig von Zinsdifferenzen, dazu nachfolgende Erläuterung)
Kosten
Für die Kursbildung des Terminkurses stellt der aktuelle Kassakurs die Ausgangslage dar. Dazu wird der Auf- bzw. Abschlag, auch Report oder Deport genannt, berücksichtigt. Dieser Auf- bzw. Abschlag spiegelt die Zinsdifferenz der beiden Währungen auf die Laufzeit des Termingeschäfts umgelegt auf den Kurs wider. D.h. der Unterschied zwischen Kassa und Terminkurs hat nichts mit einer Kurseinschätzung zu tun, sondern wird allein durch Kassakurse und Zinsdifferenzen bestimmt.
Der Auf- bzw. Abschlag wird auch als Swapsatz bezeichnet. Wie ersichtlich, ist diese
Formel nur eine Abwandlung der normalen Formel für Zinsberechnungen.
Swapsatz =
Zinsdifferenz x Kassakurs x Laufzeit (in Tagen)
36.000
Wie beim Devisenkassageschäft gibt es auch beim Devisentermingeschäft eine Geld- und eine Briefseite. Zum Unterschied vom Devisenkassageschäft beziehen sich die Geld- und Briefkurse beim Devisentermingeschäft auf die Zinssätze und nicht auf die Währungskurse.
Bei größeren Volumina ist es üblich, dass der Kunde Sonderkonditionen verhandelt und nicht die so genannte volle Spanne bezahlt, sondern lediglich den einfach gespannten bzw. bestenfalls den doppelt gespannten Kurs.
Beispiel: Pfundabsicherung im Hinblick eines baldigen Ablaufes einer britischen Lebensversicherung:
Sie kaufen EUR gegen GBP auf Termin 6 Monate
Kassakurs EUR/GBP: 0,90
GBP-Zinsen: 2,13 % p.a. (6-Monats-Pfund-Libor)
EUR-Zinsen: 1,82% p.a. (6-Monats-EURIBOR)
Die Bank kauft sofort den EUR-Betrag gegen GBP zur Spot-Valuta. Den dafür benötigten GBP-Betrag nimmt die Bank am GBP-Geldmarkt zu 2,13% p.a. auf. Der EUR-Betrag wird zu 1,82% p.a. veranlagt. Damit entsteht für die Dauer von 3 Monaten ein Zinsertrag von 1,82% p.a., der einem Zinsaufwand von 2,13% p.a. gegenübersteht. Bei Fälligkeit werden Ihnen die EUR gutgeschrieben und die Bank erhält von Ihnen den Gegenwert in GBP, womit der GBP-Kredit getilgt wird. Den EUR-Betrag erhalten Sie zum Kassakurs +/- Zinssaldo.
Kassakurs EUR/GBP: 0,90
Zinsertrag EUR: +1,85% p.a.
Zinsaufwand GBP: -2,13% p.a.
Zinsdifferenz: -0,28% p.a.
Swapsatz = (-0,28x 0,9 x 90)/36000 = 0,00063
Terminabschlag GBP per EUR 0,00063
Terminkurs 3 Monate 0,89937
Wichtig: Diese Zinssätze sind vom 9.3.2009. Berücksichtigt wurden in den Zinsdifferenzen noch nicht die Geld/Briefspannen berücksichtigt. Bezüglich der genauen Konditionen sollte nämlich mit der betreffenden Bank Rücksprache gehalten werden
Begriffserklärungen:
Geldkurs: Zu diesem Kurs wird die Leitwährung (EUR) vom Kurssteller angekauft, bzw. das angelegte Kapital verzinst.
Briefkurs: Zu diesem Kurs wird die Leitwährung (EUR) vom Kurssteller verkauft, bzw. das geliehene Kapital verzinst.
Volle Spanne: Kursspanne zwischen Mittelkurs und Geld- bzw. Briefkurs.
Einfach gespannter Kurs: Halbe Spanne zwischen Mittelkurs und Geld- bzw. Briefkurs.
Doppelt gespannter Kurs: Viertel Spanne zwischen Mittelkurs und Geld- bzw. Briefkurs.
