Wie man eine Krise in der eigenen Firma erkennt – Teil 1, Die Liquidität
Es ist die wichtigste Aufgabe eines Unternehmers, Chancen zu nützen, Probleme zu erkennen und seine/ihre Firma durch ruhige wie auch stürmische See zu steuern. Dazu ist nicht nur der Kompass wichtig (wohin will ich überhaupt), auch ein Barometer sollte man mit an Bord haben. Nur damit weiß ich, auf welches Wetter ich mich einstellen muss.
Was soll dieses Barometer sein? Erfolgreichen Unternehmern wird oft das richtige „Gespür“, das „Bauchgefühl“, die „gute Nase“ und das „glückliche Händchen“ nachgesagt. Tatsächlich ist es aber ein gutes Controlling und die Fähigkeit, Herausforderungen zu erkennen, anzunehmen und zu meistern. Dazu gehört zuerst, die Antennen auszurichten und den Empfänger einzuschalten.
Bevor ich mich noch mehr in der Bildsprache verliere: Es gibt typische Warnsignale einer sich anbahnenden Krise, die man wahrnehmen muss.
Teil 1 – Die Liquidität
Stufe 1
Rückgang der Liquidität über längeren Zeitraum
Reserven werden immer kleiner
Offene Forderungen unter offenen Verbindlichkeiten
Zahlungen sind durch geschicktes „Jonglieren“ noch möglich
Skonto ist teilweise nicht mehr nutzbar
Stufe 2 (gefährlich)
Konto im Überzug
wichtige Zahlungen erfolgen, einzelne Zahlungen (z.B. Lieferanten, Bankkredit-Raten) sind überfällig
Offene Verbindlichkeiten wachsen stark an
Skonto ist gar nicht mehr nutzbar, Zahlungsziele müssen voll ausgeschöpft werden
Stufe 3 (sehr gefährlich – Zahlungsstockung)
Konto weit überzogen
Bankbetreuer meldet sich häufig, spricht von „letztmaligem Überzug“, mehr Sicherheiten, keiner weiteren Entscheidungskompetenz, verlangt Saldenlisten, Offene-Posten-Listen und ähnliches
Offene Verbindlichkeiten weit über möglichem operativem Ergebnis
einzelne wichtige Zahlungen können nicht mehr geleistet werden (z. B. Betriebskosten)
Lieferanten bestehen auf Bankgarantie oder Barzahlung
Stufe 4 (Insolvenz – Zahlungsunfähigkeit)
Bank kündigt Verträge auf, stellt Kredite fällig
sehr wichtige Zahlungen können nicht mehr geleistet werden (z. B. Krankenkasse, Personal)
Von Stufe 1 bis Stufe 2 ist schnelle Hilfe möglich. Bei rechtzeitigem Handeln kann man die Gefahr auch in Stufe 3 noch abwenden, allerdings nur unter Zuhilfenahme von Sanierungsinstrumenten wie einem Stillen Ausgleich. Bei Stufe 4 bleibt Ihnen meist nur noch der Gang zum Gericht.
Mit einem guten Controlling erkennen Sie bereits Stufe 1!
