Zinsbindung: Wie man zu fairen Zinsen kommt

Banken werden seit Jahrzehnten für folgende Vorgangsweise kritisiert: Wenn die Zinsen fallen, werden die Sparbuchzinsen schnell gesenkt, aber die Kreditzinsen bleiben hoch. Wenn die Zinsen steigen, geht es mit den Sparbüchern noch lange nicht – und schon gar nicht automatisch – aufwärts, sehr wohl aber mit den Kreditraten. Hier haben sich Finanzinstitute ein ordentliches Zubrot verdient. Hinter vorgehaltener Hand sprach man von der „Deppensteuer„, Zitat:

Die Deppen, die sich nicht melden und ihre Zinsen verhandeln, sind selber schuld, wenn sie schlechte Zinsen bekommen.

So viel zu Moral und Finanzwelt. In den letzten Jahren hat sich die EU-Kommission diesen und anderen Methoden der Abzocke angenommen und Schritte zu deren Bekämpfung eingeleitet. So erreichte sie bei den EU-Standard-Überweisungen merkliche Einsparungen für die Konsumenten. Auch die Handy-Roaming-Tarife wurden gesenkt.

Zusammen mit strengeren Konsumentenschutzvorschriften kommt in der Bankenwelt erheblicher Gegenwind auf: die Zinspolitik der Vergangenheit, und damit der Verbrauchernepp, kann nicht mehr lange aufrecht erhalten werden. Das bedeutet: Für Bankkunden werden sich in Zukunft Verbesserungen ergeben und sie werden faire Zinsen erhalten.

Bis es so weit ist, lohnt es sich für Sie, die Zinsen auf beiden Seiten, also sowohl für Sparbücher als auch Kredite, zu verhandeln. Es gibt dafür zwei Methoden:

Methode 1: Sie sprechen regelmäßig vor und ersuchen um Anpassung der Zinsen „auf Marktniveau“, also Erhöhung der Sparbuchs- bzw. Senkung der Kreditzinsen. Das können Sie natürlich nur dann machen, wenn sich in den Leitzinsen eine Veränderung ergeben hat, bei Ihnen jedoch nicht. Vielleicht bietet man Ihnen sogar von selbst eine Zinsbindung an, wenn Sie regelmäßig nachbohren?

Methode 2: Sie verlangen die BINDUNG DER ZINSEN AN EURIBOR ODER LIBOR (was sind Euribor und Libor?). Damit verdient die Bank nur noch ihren Auf- (bei Krediten) bzw. Abschlag (bei Spareinlagen). Sie hat keine Chance mehr, Ihnen einseitig schlechtere Konditionen einzuräumen und das „Deppen“-Spiel mit Ihnen zu spielen. Achtung: Das sind keine Fixzinsen! Ihr Zinssatz ändert sich trotzdem während der Laufzeit, aber eben nur, wenn sich Euribor oder Libor ändern, und nur in dieser Höhe.

Bei Krediten werden zwischen 1 und 3% auf den Euribor bzw. Libor aufgeschlagen, das ergibt summiert Ihren Zinssatz. Spareinlagen liegen zwischen 0,5 und 2% unter dem Referenzzinssatz.

Rundungen als Falle: Wenn Sie Zinsbindungen verhandeln, sprechen Sie auch immer die RUNDUNG an: Banken runden Kreditzinsen auf bzw. Sparbuchzinsen ab, auf das nächste Achtel oder Viertel. Das Ziel für Sie: UNGERUNDET bzw. ACHTEL-RUNDUNG! Auch hier haben EU-Kommission und Gesetzgeber bereits angesetzt und die Rundungen teilweise schon abgeschafft.

FAZIT: Verhandeln Sie und zahlen Sie keine „Deppensteuer“!

Eine Antwort zu “Zinsbindung: Wie man zu fairen Zinsen kommt”

  1. […] diesem Zusammenhang bietet es sich an, lange Zinsbindungen zu wählen. Diese bieten einen Schutz vor weiteren Zinsanstiegen. Denn sollte man sich für […]