Zinseszins
“Wenn Sie monatlich 100 EUR ansparen und das für einen langen Zeitraum, werden die Zinseszinsen Sie am Ende steinreich gemacht haben!”
Kennen Sie solche Aussagen? Oft werben Finanzdienstleister oder Banken mit Modellrechnungen, wo der Zinseszins Ihnen unübersehbare Renditevorteile verschafft. Doch ist es Gold, was so schön glänzt?
Als Zinseszinsen bezeichnet man Zinsen für bereits gutgebuchte Zinsen. Das bedeutet, daß Sie in einer früheren Abrechnungsperiode bereits Zinsen gutgeschrieben bekommen haben, die zusammen mit dem, was sich bisher schon auf Sparbuch- oder Sparkonten befunden hat, das neue Kapital bilden. Beginnt ein neues Jahr, so werden die neuen Zinsen für das gesamte Kapital gebucht, und nicht nur für die Beträge, die Sie eingelegt haben. Das bedeutet: Auch die “alten” Zinsen werden verzinst.
Kritik: Der Zinseszinseffekt führt zu einem exponentiellen Wachstum. Sie sparen also nicht linear an, sondern die Kurve, die die Geldvermehrung beschreibt, wird immer steiler. Das würde bei sehr langen Laufzeiten dazu führen, daß Sie plötzlich über astronomisch hohe Beträge verfügen müßten. Auch wenn die Inflation dieses exponentielle Wachstum bremst, wird durch den Zinseszinseffekt deutlich, daß kapitalistische Währungssysteme früher oder später einem Reformbedarf unterliegen.
