Zusammenhang zwischen Rezession und Arbeitslosigkeit
Eine Studie von Elmeskov et al (Zeitraum 1987 bis 1995) zeigt eine positive Korrelation zwischen dem Grad der jährlichen Volatilität der Arbeitslosenquote und dem Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit. Ein klassisches Beispiel dafür ist Spanien, dessen geschätzte strukturelle Arbeitslosigkeit in den Jahren 1980, 1985, 1990, 1995 und 1999 mit durchschnittlich 14,2 % um 8,9 Prozentpunkte über jener Deutschlands lag. Im November 2009 erreichte die Arbeitslosenquote 19,4 % und noch ein Jahr zuvor lag sie bei 14,0 %. Besonders destabilisierend wirken in Spanien die hausgemachte Immobilienkrise und Einbußen im Fremdenverkehr. Letzteres ist auf die aktuelle Rezession zurückzuführen. Hinzu kommt die fehlende Möglichkeit einer Währungsabwertung.
Generell gilt: Wirtschaftliche Kontraktionsphasen wirken sich – wenn auch zeitverzögert – negativ auf den Arbeitsmarkt aus. Ein Blick auf die Arbeitslosenquoten belegt diese Aussage. In den schwierigeren Jahren 2002 bis 2004 betrug in der Eurozone (EU16) die durchschnittliche Arbeitslosenquote 8,7 % vgl. mit durchschnittlich 7,9 % in den guten Jahren 2006 und 2007. In der wirtschaftlich stabilen Periode von 1965 bis 1972 lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den USA, Deutschland, Niederlande und Frankreich bei jeweils 4,3 %, 0,8 %, 1,7 % bzw. 2,3 %. Dann folgten die beiden Ölschocks 1973 und 1979/80. In den kritischen Jahren 1973 bis 1979 lag die standardisierte Arbeitslosenquote der USA bei durchschnittlich 6,4 % und erreichte 1980 bis 1987 sogar einen Level von im Schnitt 7,6 %. In Deutschland kletterte die Arbeitslosigkeit in den Jahren 1973 bis 1979 auf 2,9 %, in Frankreich und den Niederlanden auf 4,3 bzw. 4,7%.
In der aktuellen Wirtschaftskrise stieg im November 2009 in der EU27 die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 7,5 auf 9,5 %. Dieser Anstieg ist verhältnismäßig niedrig im Vergleich zu früheren Krisenszenarien da derzeit niedrige Leitzinsen, eine im Vergleich zu früheren Jahrzehnten niedrigere Steuerbelastung für Unternehmen und staatliche Ausgabenprogramme stützend wirken. Doch das Auslaufen zahlreicher Stützungsprogramme von Staaten und Notenbanken könnte kritisch werden. Rückläufige See- und Luftfrachtraten lassen als Vorläuferindikatoren eine kritische Entwicklung erahnen. Somit könnte am Arbeitsmarkt die größte Entlassungswelle bis Anfang 2012 (persönlich geschätzte Arbeitslosenquote in der EU27 dann über 16 %) noch bevorstehen.

